Corona: KiK, Tedi und Woolworth wollen keine Miete mehr zahlen

T-shirts und Oberbekleidung in einer Woolworth-Filiale

Corona: KiK, Tedi und Woolworth wollen keine Miete mehr zahlen

Von Michael Westerhoff

  • Konzerne wollen Miete stunden
  • Individuelle Verhandlungen mit Vermietern
  • 4500 Geschäfte insgesamt

Nach Deichmann und C&A wollen nun auch die drei Handelskonzerne KiK, Tedi und Woolworth keine oder weniger Miete zahlen. Sie haben ihre Vermieter in einem Schreiben darüber informiert, dass sie über Stundungen verhandeln wollen. Als Grund geben sie an: Sie haben keine Einnahmen mehr, deshalb können sie sich die Mieten nicht mehr leisten.

Umsatzeinbußen von fast 100 Prozent

"Umsatzeinbußen von nahezu 100 Prozent sind traurige Realität", beschreibt KiK-Sprecher Henning Marten die aktuelle Lage. Der Textil-Discounter verhandelt deshalb genauso wie Tedi und Woolworth über eine Stundung, einen Erlass oder eine Kürzung der Mieten. Nach Angaben von KiK wurden bereits Gespräche mit der Hälfte der 1.500 Vermietern geführt.

Alle drei Unternehmen begründen den Schritt damit, dass sie so die Arbeitsplätze der Mitarbeiter sichern und "eine bedrohliche Schieflage des Unternehmens abwenden" wollen.

Aus den Fehlern von Adidas gelernt

Auffällig ist, dass in den Schreiben der drei Konzerne die Rede von "einvernehmlichen Lösungen" und Gesprächen mit den Vermietern die Rede ist. Offenbar soll der Eindruck eines raffgierigen Konzern vermieden werden.

Adidas hatte schon vor einigen Wochen angekündigt, keine Mieten mehr zu zahlen. Hatte daraufhin aber im Internet einen Shitstorm geerntet und zahlt nun weiter Miete. Auch Deichmann, C&A und Takko haben bereits Stundungen von Mieten angekündigt.

Gebäude gelten als schwer vermietbar

Klar ist aber, dass Vermieter kaum eine andere Möglichkeit haben, als Kürzungen der Miete zu akzeptieren. KiK und Tedi haben zahlreiche Gebäude angemietet, die als schwer vermietbar galten oder jahrelang leer standen. Vermietern wird es also schwer fallen, andere Geschäfte für die Flächen zu begeistern.

KIK kritisiert Ladenschließungen

KiK-Sprecher Henning Marten kritisiert die Ladenschließungen durch die Bundesregierung. Während der Textil-Discounter seine Geschäfte schließen musste, dürften große Supermärkte weiterhin neben Lebensmitteln auch "Kleidung, Spielwaren, Blumen und Dekorationsartikel anbieten".

Handelsverband wirbt um Verständnis

Rückendeckung bekommen die Unternehmen vom Handelsverband HDE. "Es muss in dieser Krise eine faire Lastenteilung zwischen Mietern und Vermietern geben", sagt HDE-Geschäftsführer Stefan Genth. Genth warnt davor, dass nach der Coronakrise vielerorts Leerstände und verödete Innenstädte drohten.

Stefan Heinig – der Mann hinter den drei Unternehmen

Die drei Handelsunternehmen KiK, Tedi und Woolworth gehören mit zusammen über 4.500 Geschäften zu den größten Mietern in Deutschland - und sie sind eng miteinander verbunden.

Alle drei wurden vom Dortmunder Kaufmann Stefan Heinig gegründet oder übernommen. Sie haben ihren Unternehmenssitz in Dortmund (Tedi) und im benachbarten Kreis Unna (KiK, Woolworth) und beschäftigen über 50.000 Menschen.

Corona-Mieterhilfe: "Haltung von Adidas und Co inakzeptabel"

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 30.03.2020 02:33 Min. Verfügbar bis 30.03.2021 WDR 5 Von Torsten Huhn

Download

Stand: 07.04.2020, 13:49