Angst vor Coronavirus: Viele Schwangere wollen Hausgeburten      

Eine Frau legt einer Schwangeren die Hände auf den Bauch

Angst vor Coronavirus: Viele Schwangere wollen Hausgeburten      

Von Julia Küppers

  • Väter dürfen in Hamm wieder in den Kreissaal
  • Werdende Mütter hatten protestiert
  • Arzt: Geburten ohne professionelle Hilfe gefährlich

Werdende Väter, die gesund sind, dürfen ab Dienstag (31.03.2020) im evangelischen Krankenhaus in Hamm doch wieder in den Kreissaal. Allerdings müssen sie sich zuerst einem Screening-Prozess zum Ausschluss eines Corona-Verdachts unterziehen. Das hat das Krankenhaus am Montag (30.03.2020) bekanntgegeben. Seit Freitag (20.03.2020) war werdenden Vätern in Hamm der Zutritt zum Kreissaal verboten. Ein Schutz vor Infektionen mit dem Coronavirus. Selbst nach der Geburt durften die Väter nicht zu Mutter und Kind.

Auch in anderen Kliniken im Ruhrgebiet besteht ein Verbot für Partner im Kreissaal. 14 Schwangere aus Hamm hatten dagegen am Donnerstag (26.03.2020) in einem Brief an das evangelische Krankenhaus protestiert.

Schwangere und Hebammen machen Druck auf Klinikum 

Eine der werdenden Mütter ist Merle Blokesch aus Hamm. Sie ist in der 29. Woche schwanger. "Das macht mich einfach unfassbar traurig und macht die Angst vor der Entbindung noch größer“, begründet sie ihren Protest. Lebenswichtige Entscheidungen wie beispielsweise über einen Kaiserschnitt und Narkose seien oft nur mit dem Partner zusammen treffbar. Während der Geburt habe sie keinen klaren Kopf für wichtige Unterschriften und brauche Beistand.  

Auch der Hebammenverband Nordrhein-Westfalen unterstützt die werdenen Mütter. "Die Kliniken sollen die Kreissäle für werdende Väter wieder öffnen“, fordert die Landesvorsitzende Barbara Blomeier. Der Partner sei Teil der Geburt.

Nachfrage nach Hausgeburten steigt

Auch die Sorge, sich mit dem Coronavirus im Krankenhaus anzustecken, treibt schwangere Frauen derzeit dazu, in Hebammenpraxen und Geburtshäusern nachzufragen. Kerstin Toms ist Hebamme im Geburtshaus in Unna und darf Hausgeburten durchführen. Spontan sei so etwas aber nicht ratsam. Eine solche Entscheidung, wo man sein Kind zur Welt bringt, träfen werdende Eltern meist Monate im Voraus aus tiefster Überzeugung.

Hausgeburten ohne professionelle Hilfe sind gefährlich

Oliver Fietz, Oberarzt in der Abteilung Geburtshilfe am Evangelischen Klinikum in Hamm, betonte zuvor die Wichtigkeit der Entscheidung für ein Partnerverbot. "Der Kreissaal liegt direkt neben einer Frühchenintensivstation.“ Das Klinikum würde versuchen, den Kontakt zu den Vätern über Tablets herzustellen. Es bestünde außerdem die Möglichkeit für Mutter und Kind, vier Stunden nach der Geburt nach Hause zu gehen, wenn alles in Ordnung sei.

Von Geburten ohne professionelle Hilfe rät er dringend ab. Eine solche Kurzschlussreaktion sei gefährlich. Ob eine Hausgeburt sinnvoll ist oder nicht entscheide sich unabhängig von Corona.

 

Stand: 30.03.2020, 18:10