Corona-Generation: Angespannt, aber nicht verzweifelt

Drei junge Personen mit Mund-Nasen-Schutz

Corona-Generation: Angespannt, aber nicht verzweifelt

Von Stephanie Grimme

Die Corona-Generation spürt schon jetzt die Folgen. Beruflich und privat. Trotzdem lassen Teens und Twens den Kopf nicht hängen.

Corona ist für junge Leute vermutlich das erste sehr bedeutende gesellschaftliche Ereignis mit Langzeitwirkung. Mauerfall oder den Deutschen Herbst haben sie ja nicht mitbekommen. Und tatsächlich verhagelt Corona so manche Lebensplanung.

Das merkt auch die 18-jährige Celine-Chantal Pochwyt aus Witten. Sie hat gerade ihr Fachabitur gemacht und sucht nun einen Ausbildungsplatz. Täglich verschickt sie Bewerbungen, viele kommen zurück. Begründung: Im Moment könne man sich keine Auszubildenden leisten.

Absagen und Angespanntheit

"Corona hat viele in ihrer Berufswegplanung aus der Bahn geworfen, weil Ausbildungsplatz-Zusagen da gewesen sind, die dann zurückgezogen worden sind", sagt Berufsberater Rasmus Keichel von der Agentur für Arbeit in Witten. "Viele mussten auf andere Berufe umschwenken, die dann auch schon besetzt gewesen sind. Außerdem wurden Freiwillige Soziale Dienste im Ausland abgesagt."

Junge Frau sitzt mit Berufsberater im Park

Berufsberater Rasmus Keichel berät Celine-Chantal wegen Corona im Park

Er findet, dass junge Leute zwar nach außen hin locker und entspannt wirken, im Inneren rumore es aber doch. Viele Teens and Twens, die zu ihm kommen, seien angespannt.

Es fehlt Ventil zum Ablenken


"Ich habe ja auch mit jungen Leuten zu tun, wo die Eltern dann zum Beispiel in Kurzarbeit gegangen sind. Da drückt auch finanziell der Schuh und sie wissen nicht, wie das weitergeht."

Außerdem fehlt ein Ventil, um sich abzulenken. Sport- und Freizeitmöglichkeiten waren und sind immer noch beschränkt. Celine-Chantal beispielsweise würde sehr gerne mal wieder auf ein großes Konzert gehen.

Zu Unrecht beschuldigt

Und was noch dazu kommt: Viele Teens und Twens fühlen sich zu Unrecht angeklagt, weil so oft von den verantwortungslosen jungen Leuten gesprochen wird, die sich nicht an Corona-Regeln halten würden.

Mit diesem Dauer-Vorwurf kämpft auch Sebastian Klütz aus Essen. "Die meisten Millennials halten sich an die Regeln. Es ist ärgerlich, dass Leute so generalisiert werden."

Falsche Politik?

Den 19-jährigen Essener beschäftigt aber auch noch ein anderes Thema: Er sieht, wieviel Geld die Bundesregierung zur Rettung von Firmen in die Hand nimmt. Oft kann er nicht nachvollziehen, warum wem geholfen wird. Celine-Chantal findet ohnehin, dass bei vielen im Moment das Wirtschaftsthema viel zu sehr im Fokus steht.

Unterm Strich ist die Stimmung aber nicht pessimistisch. Viele "Millennials" sind eher ein bisschen genervt. Es gebe ja noch andere Themen als Corona.

Stand: 14.08.2020, 11:31