Angst vor Coronavirus in der JVA Castrop-Rauxel

Hilferuf aus der Haftanstalt 03:24 Min. Verfügbar bis 01.04.2021

Angst vor Coronavirus in der JVA Castrop-Rauxel

Von Christof Voigt

  • Häftlinge beschweren sich über mangelnde Hygiene
  • Dortmunder Rechtsanwältin kritisiert Zustände in JVA scharf
  • Landesweit bislang keine Häftlinge infiziert, aber Personal

Heimlich gedrehte Aufnahmen aus der JVA in Castrop-Rauxel zeigen fast leere Seifenspender und übervolle Mülleimer. Desinfektionsmittel für die Hände gibt es gar nicht. Gefangene haben Angst, sich in der Enge mit dem Coronavirus zu infizieren.

Schlimme Zustände auf der JVA-Toilette

Die Videoaufnahmen, die dem WDR vorliegen, hat ein Häftling gedreht, der anonym bleiben möchte. Auf dem WC, im Speisesaal und beim Durchzählen kurz vor dem Einschluss. Sie zeigen zum Beispiel einen Waschraum mit überquellendem Mülleimer. Desinfektionsmittel ist nicht zu sehen, der Seifenspender ist fast leer.

Bei der Zählung der Häftlinge am Abend, stehen die Männer dicht hintereinander. Das bestätigt auch ein anderer Häftling aus Castrop-Rauxel, zu dem der WDR Kontakt hat.

Kritik von Rechtsanwältin an fehlendem Abstand

Benutzte Papiertücher quellen aus einem Plastikeimer zwischen zwei Waschbecken

Benutzte Papiertücher quellen aus einem Plastikeimer

Die Dortmunder Rechtsanwältin Sabrina Kimmeskamp kritisiert die Zustände scharf. Das habe mit den derzeit empfohlenen Infektionsschutzmaßnahmen nichts mehr zu tun. Die Bilder aus der JVA in Castrop-Rauxel würden bestätigen, was auch ihre Mandanten, die dort Haftstrafen verbüßen, berichten. Ähnliches höre sie aber auch aus anderen Haftanstalten.

JVA-Leitung: Desinfektionsmittel nur für medizinisches Personal

Andrea Bögge, die stellvertretende Leiterin der JVA, widerspricht. Es gebe jederzeit genug Seife für alle Häftlinge, sagt sie, auch Toilettenpapier sei ausreichend vorrätig. Es würden regelmäßig Flächen in sensiblen Bereichen desinfiziert. Eine Handdesinfektion für Häftlinge sei nicht vorgesehen

Zwar habe die Anstalt noch einige Flaschen vorrätig, das reiche aber nur für das medizinische Personal. Damit das mit dem Abstand besser klappt, gibt es für manche Häftlinge jetzt Haftunterbrechungen. Das hatte das Justizministerium in der vergangenen Woche angeordnet. In Castrop-Rauxel sollen insgesamt 76 Insassen Platz machen, davon sind fast 60 jetzt auch tatsächlich schon wieder zu Hause, bestätigt Andrea Bögge.

Ministerium muss Bestände auffüllen

Wie viele Häftlinge bislang landesweit "auf Zeit" entlassen wurden, kann das Justizministerium noch nicht sagen. Es laufen noch viele Anträge, so ein Sprecher. Der bestätigte noch einmal, dass Händedesinfektion für Häftlinge in keinem nordrhein-westfälischen Gefängnis vorgesehen sei.

Man sei zwar dabei Nachschub zu organisieren, aber der sei in erster Linie für das medizinische Personal und das Justizvollzugskrankenhaus in Fröndenberg. Bislang habe es ja auch noch keinen mit dem Coronavirus infizierten Häftling in NRW gegeben. Allerdings haben sich nach Angaben des Sprechers etwa "eine Handvoll" Gefängnismitarbeiter mit dem Virus infiziert, alle seien in Quarantäne.

Schutz vor Coronaviren: "Immer gründlich Hände waschen"

WDR 2 25.02.2020 03:42 Min. Verfügbar bis 24.02.2021 WDR Online

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Stand: 31.03.2020, 15:55