Konferenz in Essen: Mehr Clans als angenommen

Konferenz in Essen: Mehr Clans als angenommen

  • 100 Clans in NRW
  • Null-Toleranz-Strategie soll weitergehen
  • Rund 500 Experten auf Clan-Konferenz in Essen

In NRW gibt es mehr Familienclans als bisher angenommen. Das hat Innenminister Herbert Reul am Mittwoch (30.01.2019) auf der Clan-Konferenz in Essen berichtet. Mehr als 500 Experten, darunter LKA-Beamte, Polizisten und Wissenschaftler, haben sich dort getroffen und über Clan-Kriminalität gesprochen.

Durch intensive Ermittlungen hat die Polizei mittlerweile 100 Clans mit arabischen, türkischen oder libanesischen Mitgliedern identifiziert. Das Landeskriminalamt ging bisher von etwa der Hälfte aus, so Reul am Mittwoch.

Reul: "Brauchen langen Atem"

NRW-Innenminister Herbert Reul auf der Clan-Konferenz in Essen

Der Innenminister sagte auf der Konferenz, es brauche einen langen Atem, um die Clans in NRW zurückzudrängen. Bei dem Zusammentreffen machte er deutlich, dass regelmäßige Razzien ein "wirkungsvoller Baustein" und der richtige Weg seien.

Thomas Jungbluth vom Landeskriminalamt NRW sieht vor allem Personen im Fokus, die in der kriminellen Szene einen hohen Status haben. Diese müssten aus dem Verkehr gezogen werden. "Es geht darum, ihre Gewinne zu identifizieren. Nachzuweisen, dass sie ihre Gewinne aus illegalen Geschäften bekommen, um sie dann sicherzustellen. Es geht aber auch darum, Präventionskonzepte zu entwickeln", sagt Jungbluth.

Maßnahmen gegen Clan-Kriminalität

Seit gut einem Jahr kontrollieren Polizei, Zoll und Ordnungsamt regelmäßig gemeinsam unter anderem Shisha-Bars und Diskotheken. Diese Razzien hätten die Szene verunsichert, hieß es auf der Konferenz in Essen. Die Clans würden nun nach Möglichkeiten suchen, ihre Geschäfte in ländliche Gebiete zu verlagern.

Auf der Konferenz in Essen ging es aber auch um Aussteigerprogramme für Clan-Mitglieder. Vor allem junge Familienmitglieder und Frauen sollen damit angesprochen werden. Es sei wichtig, Hilfe für einen Ausstieg aus dem Milieu anzubieten, so der Essener Polizeipräsident Frank Richter.

Zehntausende Delikte erfasst

Richter machte ebenfalls deutlich, dass der Kampf gegen kriminelle Clans für ihn derzeit eine der größten sicherheitspolitischen Herausforderungen darstelle. Allein in NRW wurden in diesem Zusammenhang seit 2016 mehr als 14.000 Delikte erfasst, so ein LKA-Experte in Essen.

Zahlen zur Clan-Kriminalität

Zwischen 2016 und 2018 in NRW:

14.225 Delikte erfasst

6.449 Tatverdächtige ausgemacht

1.271 Tatverdächtige allein in Essen

Zahlen des Landeskriminalamtes vorgestellt von Thomas Jungbluth auf der Essener Clan-Konferenz.

Nach Einschätzung des Essener Polizeipräsidenten Richter, ist unter anderem eine gescheiterte Integrationspolitik für das Problem verantwortlich. Clans würden sich oft mit dem Geld von Transferleistungen finanzieren.

Die Konferenzteilnehmer betonten aber immer wieder, dass nicht alle Angehörige eines Familienclans kriminell seien.

Stand: 31.01.2019, 09:18

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