Urteil im BVB-Prozess erwartet - Darum geht es

BVB-Bus nach Anschlag

Urteil im BVB-Prozess erwartet - Darum geht es

Von Matthias Aust

  • Prozess um Anschlag auf BVB dauerte fast ein Jahr
  • Anklage: Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion
  • Staatsanwalt fordert lebenslänglich

Nach dem Bomben-Anschlag auf den BVB-Bus wird am Dienstag (27.11.2018) das Urteil erwartet. Die wichtigsten Fragen zum Prozess:

Was droht dem Angeklagten Sergej W.?

Mit Sicherheit eine mehrjährige Haftstrafe. Sergej W. hat mit dem Zünden der Bomben ein schweres Verbrechen begangen. Entscheidend für das Strafmaß dürfte sein, ob das Gericht eine Tötungsabsicht sieht. Also ob der Angeklagte den Tod von Menschen in Kauf genommen oder sogar geplant hat.

Sergej W. hat immer behauptet, nur erschrecken, aber nicht töten zu wollen. Das nimmt ihm die Staatsanwaltschaft nicht ab. Sie hat eine lebenslange Haftstrafe gefordert, also mindestens 15 Jahre Gefängnis. Die Verteidigung hält eine Strafe von weniger als zehn Jahren für angemessen.

Warum hat der Angeklagte den Anschlag verübt?

Dortmund: Der Angeklagte Sergej W. steht im Gerichtssaal des Landgerichts neben einer Dolmetscherin.

Sergej W. soll aus Habgier gehandelt haben

Der Verteidiger von Sergej W. behauptet, dieser habe das "perfekte Verbrechen" verüben wollen. Er beschrieb den Angeklagten als eine zerrissene Persönlichkeit. Ein geringes Selbstbewusstsein auf der einen, ein starkes Geltungsbedürfnis auf der anderen Seite.

Den möglichen Spekulationsgewinn durch einen fallenden Kurs der BVB-Aktie sieht er nicht als Hauptantrieb für die Tat. Für die Staatsanwaltschaft dagegen steht fest, dass Sergej W. aus Habgier den Tod von Menschen in Kauf genommen hat.

Wie ist Sergej W. vor Gericht aufgetreten?

Weitgehend emotionslos. Er vermittelte stets den Eindruck, als ginge ihn das Ganze nichts an. Wenn er sich äußerte, dann wortkarg und mit leiser Stimme.

Sein Verteidiger warnte in seinem Schlussplädoyer davor, das als Desinteresse misszuverstehen. In seinem Innern brodele es. Die "gezeigte Teilnahmslosigkeit ist nur eine Hülle", sagte er. Sergej W. schäme sich für seine Tat, deswegen traue er sich auch kaum, den Menschen in die Augen zu schauen.

Was hat der Anschlag mit dem BVB gemacht?

Er hat vor allem den Spielern stark zugesetzt. Mehrere nahmen psychologische Hilfe in Anspruch. Bei der Zeugenaussage vor Gericht brachen einige in Tränen aus. Zum Beispiel Ex-BVB-Spieler Matthias Ginter.

Er berichtete sogar, dass er nach dem Anschlag mit dem Gedanken gespielt habe, den Profifußball dranzugeben - weil ihm das Risiko zu hoch war, wieder zum Ziel eines Anschlags zu werden. Letztendlich habe er aber nicht aufhören wollen, das zu machen, was ihm Spaß macht, nämlich Fußball spielen.

Wie geht es den Verletzten heute?

Ex-BVB-Spieler Marc Bartra ist zumindest äußerlich wieder hergestellt und derzeit bei Betis Sevilla unter Vertrag. Ein Motorradpolizist, der durch den Anschlag ein Knalltrauma erlitt, ist bis heute arbeitsunfähig.

Stand: 27.11.2018, 08:23