Mysteriös: Woher kommen die bunten Fahrräder in Witten?

Ein buntes Rad steht an einer Straße in Witten

Mysteriös: Woher kommen die bunten Fahrräder in Witten?

Von Dirk Groß-Langenhoff

Plötzlich über Nacht waren sie da: bunte Fahrräder im Wittener Stadtteil Rüdinghausen. Woher sie kommen, ist äußerst geheimnisvoll. Kann unser Reporter das Geheimnis lüften?

Eine ältere Dame stöbert in den Büchern eines Fahrradkorbes. Die Wittenerin kann sich auch nicht erklären, wie das Rad dort an die Straße gekommen ist. Es ist komplett blau lackiert und trägt ein Schild mit der Aufschrift 'Tauschbar'.

Ein buntes Rad steht an einer Straße in Witten

Ein buntes Rad steht an einer Straße in Witten

"Das Fahrrad war plötzlich über Nacht einfach da", erzählt die ältere Dame. Ich mache ein paar Fotos von dem Rad, mit dem man jetzt Bücher tauschen kann. Eine Anwohnerin möchte wissen, ob ich etwas mit dem Rad zu tun habe. "Ständig schmeißen Jugendliche die Bücher aus dem Rad über meine Hecke", beschwert sie sich. Die Idee des unbekannten Künstlers kommt also nicht überall gut an.

Pfarrer Carsten Griese neben dem froschgrünen Fahrrad, das mit Blumen und Früchten geschmückt ist.

Pfarrer Carsten Griese neben dem froschgrünen Fahrrad

Vor dem Pfarrhaus der Evangelischen Kirche in Rüdinghausen treffe ich Pfarrer Carsten Griese. Auch seine Gemeinde ist von dem Künstler bedacht worden – mit einem froschgrünen Rad. 'Gott sei dank', steht auf dem Schild daran. Es ist mit Blumen und Früchten geschmückt. "Das ist eindeutig eine Kunstaktion zum Erntedankfest", freut sich der Geistliche.

Insgesamt fünf Räder hat Carsten Griese bisher in Witten-Rüdinghausen gezählt. Ein weißes stünde vor einer Gärtnerei, ein rotes vor der Feuerwache, erzählt er. Und ein gelbes steht in direkter Nachbarschaft des Pfarrhauses vor dem Evangelischen Kindergarten. Dort hat der unbekannte Künstler Kuscheltiere in den Korb gesetzt.

Dank für soziale Berufe?

Auf dem Schild am Kita-Fahrrad steht: 'Gott wünscht sich einen schönen Tag für dich – mach das Beste draus'. Pfarrer Carsten Griese glaubt deshalb, dass der unbekannte Künstler dem Christentum zugewandt ist. "Da vor allem soziale Einrichtungen wie Kirche, KiTa und Feuerwehr bedacht worden sind, könnte ich mir vorstellen, dass der Künstler in Zeiten von Corona darauf aufmerksam machen möchte, wie wichtig soziale Berufe sind", sagt Griese.

Stadt Witten will Räder stehen lassen

Bei der Stadt Witten weiß auch niemand, woher die Fahrräder stammen. Das Ordnungsamt will allerdings nicht einschreiten. Solange sie nicht den Verkehr gefährdeten, lasse man die Kunstobjekte stehen, sagte ein Sprecher der Stadt.

"Die Tauschbörse schickt uns der Himmel"

Die ältere Dame am Büchertausch-Rad hat inzwischen ein Buch gefunden, das ihr gefällt. Sie wüsste zu gerne, wer diese "tolle Idee" gehabt habe. "Diese Tauschbar schickt uns der Himmel", sagt sie. Und möglicherweise hat sie damit Recht – jedenfalls solange, bis sich der wahre Künstler doch noch zu erkennen gibt.

Stand: 01.10.2020, 14:20