Gelsenkirchen und die AfD: Wahlergebnis von 2017 wiederholt sich nicht

Luftbild von der Gelsenkirchener Innenstadt mit Rathaus und Heinrich-König-Platz

Gelsenkirchen und die AfD: Wahlergebnis von 2017 wiederholt sich nicht

Bei der Bundestagswahl im Jahr 2017 gingen 17 Prozent der Zweitstimmen in Gelsenkirchen an die AfD. In keinem Wahlkreis in Westdeutschland hatte die Partei mehr Stimmen geholt. 2021 zeichnet sich ein anderes Bild ab.

Seit 1949 macht die SPD bei jeder Bundestagswahl in Gelsenkirchen das Rennen. Aber dieses Jahr wird auch verstärkt auf die AfD geschaut. Im Jahr 2017 haben in Gelsenkirchen mehr als 14.7000 Menschen die AfD gewählt.

17 Prozent bei den Zweitstimmen

Die Partei erreichte dort 17 Prozent bei den Zweitstimmen. Im Stadtteil Schalke-Ost wurde sie sogar mit 18,8 Prozent zweitstärkste Kraft hinter der SPD.

Fatih ist Kioskbesitzer in Gelsenkirchen

Kioskbesitzer Fatih will nicht die AfD wählen

Am Abend vor der Wahl treffen wir Fatih in seinem Kiosk in Schalke. Er ist mit neun Jahren aus der Türkei nach Deutschland gekommen und in Schalke aufgewachsen. Er wird auf jeden Fall wählen gehen, aber nicht die AfD. "Ich bin ja kein Rassist", begründet er das. Wen er wählen wird, weiß Fatih noch nicht genau. "Die Politiker machen eh nur leere Versprechungen", sagt er.

Mittlerweile wohnt Fathi im Nachbarstadtteil, er will nicht, dass seine drei Söhne in Schalke aufwachsen. "Hier ist es viel dreckiger geworden in den letzten Jahren und die Menschen sind gewalttätig. Es gibt Probleme mit Migranten aus Osteuropa", sagt er. 

Perspektivlosigkeit im Stadtteil?

Jörg aus Gelsenkirchen will nicht wählen gehen

Jörg aus Gelsenkirchen will nicht wählen gehen

Stammkunde Jörg kommt in Schalkemontur in den Kiosk, schnappt sich ein Bier und Radler aus dem Kühlschrank. Der 51-Jährige geht nicht wählen. Wenn, würde er aber auf jeden Fall für die AfD stimmen. "Damit hier wieder Ordnung reinkommt", sagt er. Kiosk- und Bäckereibetreiber Fatih macht sich Sorgen wegen steigender Benzin- und Mehlpreise. Für Jörg ist Migration das einzig relevante Thema im Wahlkampf. Fatih und Jörg verstehen sich trotzdem gut. Beide schildern Perspektivlosigkeit und glauben, dass die AfD auch bei dieser Bundestagswahl gut abschneiden wird.

Zuwanderung auf der Agenda

Jörg Schneider ist Kreissprecher der AfD in Gelsenkirchen und seit 2017 im deutschen Bundestag. Bei der aktuellen Bundestagswahl steht er erneut auf Platz 5 der AfD-Landesliste und hat gute Chancen im Bundestag zu bleiben. 

Migrationspolitik war das zentrale Thema der AfD im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2017 und auch dieses Jahr hat sich die Partei Zuwanderung auf die Agenda geschrieben. Jörg Schneider sagt im WDR Kandidat:innen Check, dass er Zuwanderung aus Osteuropa strenger regulieren möchte. Der Lehrer eines Gelsenkirchener Berufskollegs setzt sich für eine grundsätzliche Neuausrichtung der Sozialsysteme ein.

Der ARD DeutschlandTREND hat ergeben, dass Zuwanderung im Jahre 2017 für 47 Prozent der Bürger das wichtigste oder zweitwichtigste Thema war. Aktuell sehen das nur 22 Prozent der Menschen so. 

Im Bundesdurchschnitt kam die AfD im Jahr 2017 auf 12,6 Prozent der Zweitstimmen. Der DeutschlandTrend prognostiziert der AfD einen Stimmverlust von 1,6 Prozent für die anstehende Bundestagswahl. Aber wie sieht es in Gelsenkirchen aus?

Problemstadt Gelsenkirchen?

Egal, welche Partei sich in Gelsenkirchen durchsetzt. Klar ist, in Gelsenkirchen ist viel zu tun: In keiner anderen deutschen Stadt haben die Menschen weniger Geld zur Verfügung und die Arbeitslosigkeit ist groß.

2021 zeichnet sich für die AfD in Gelsenkirchen ein Minus ab. Die AfD kommt dort auf 12,8 Prozent der Zweitstimmen (Stand 22 Uhr). Die Wahlbeteiligung liegt bei 66,7 Prozent.

Die ärmste Stadt Deutschlands Planet Wissen 26.11.2019 03:57 Min. Verfügbar bis 26.11.2024 WDR

Stand: 26.09.2021, 22:43