Bundespräsident Steinmeier würdigt Gastarbeiter im Ruhrgebiet

Bundespräsident Steinmeier würdigt Gastarbeiter im Ruhrgebiet

Von Dirk Groß-Langenhoff

Vor 60 Jahren schloss Deutschland ein Anwerbeabkommen mit der Türkei. Heute sind die damaligen Gastarbeiter und ihre Familien fester Bestandteil unserer Gesellschaft, wie Steinmeier bei seinem Besuch im Ruhrgebiet würdigt.

Muhammed Fidan zupft an seinem dunklen Bart. Ein bisschen nervös ist der Auszubildende schon. Denn immerhin trifft er gleich auf Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der am Dienstag die Friedrich Wilhelms-Hütte, ein Stahlgussbetrieb in Mülheim an der Ruhr, besucht.

Muhammed Fidan ist Enkel eines ehemaligen Gastarbeiters

Muhammed Fidan ist Enkel eines ehemaligen Gastarbeiters

Muhammed Fidan ist 19 Jahre alt und möchte wie sein Großvater Stahlarbeiter werden. Sein Großvater hat vor 60 Jahren die Türkei verlassen, um in Deutschland bei Thyssen-Krupp zu arbeiten. "Das hat uns viele Türen geöffnet und ein besseres Leben, eine schönere Unterkunft ermöglicht", sagt Fidan stolz.

"Deutschland ist ein Land mit Migrationshintergrund"

Stahlgießer bei der Arbeit

Stahlgießer bei der Arbeit

Unterdessen erfährt der Bundespräsident, dass in der Friedrich-Wilhelm-Hütte 45 Prozent der Mitarbeiter einen Migrationshintergrund haben. "Ich sage immer: Es sind nicht die Menschen, die einen Migrationshintergrund haben, sondern Deutschland ist ein Land mit Migrationshintergrund", so Steinmeier in einer kurzen Ansprache an die Mitarbeiter.

Zudem erinnert er sich an die Zeit des Anwerbeabkommens zurück. Die Gastarbeiter seien vor 60 Jahren nach Deutschland gekommen, um die rasant wachsende Wirtschaft mit aufzubauen. Sie haben unser Land im Laufe der Jahre auch vielfältiger und offener gemacht, so Steinmeier, der von seiner Frau Elke Büdenbender begleitet wurde.

Sportvereine als Integrationsmotor

Im Anschluss besichtigte er in Essen die Ausstellung "Wir sind von hier" des türkischen Fotografen Ergun Cagatay, der eine der umfangreichsten Bildreportagen von türkeistämmigen Einwanderern gemacht hat. Zudem traf er in Bochum Sportler des deutsch-türkischen Fußballvereins Türkiyenspor und hob die Bedeutung von Sportvereinen als Integrationsmotor hervor.  

Seit den 1950er Jahren hatte die Bundesrepublik mit mehreren Ländern wie Italien oder Griechenland Anwerbeabkommen geschlossen. 1961 folgte der Vertrag mit der Türkei, 1973 dann ein Anwerbestopp. Damals lebten etwa vier Millionen Gastarbeiter in Deutschland, viele davon im Ruhrgebiet.

Neue Heimat gefunden Lokalzeit aus Duisburg 30.08.2011 03:57 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 WDR

Stand: 28.09.2021, 13:20