Brieftaubenzucht wird kein nationales Kulturerbe

Mann mit Brieftauben.

Brieftaubenzucht wird kein nationales Kulturerbe

  • Brieftaubenwesen wird kein nationales Kulturerbe
  • Unesco: Tierschutz nicht ausreichend berücksichtigt
  • Züchter sieht Niedergang

Der Rheinische Karneval und die Flussfischerei an der Sieg-Mündung sind schon drin - nun sollte das besonders im Ruhrgebiet beheimatete Brieftaubenwesen folgen. Die Neuaufnahmen in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes wurden am Dienstag (11.12.2018) in Bonn bekannt.

Doch die deutsche Unesco-Kommission nahm das Brieftaubenwesen nach WDR-Informationen nicht in das Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes auf.

Tierschutz nicht ausreichend berücksichtigt

Als Begründung führte die Kommission unter anderem an, dass der Verband Deutscher Brieftaubenzüchter den Tierschutz nicht ausreichend berücksichtigt habe. Dieser spiele im Brieftaubenwesen jedoch eine zentrale Rolle, hielt der Verband Deutscher Brieftaubenzüchter in Essen dagegen.

Der Deutsche Tierschutzbund hatte bereits im Vorfeld gerügt, "dass solche tierschutzwidrigen Praktiken durch eine Anerkennung als immaterielles Kulturerbe auch noch gefördert werden".

Wird Brieftaubensport nationales Kulturerbe? WDR aktuell 07.12.2018 02:13 Min. Verfügbar bis 07.12.2019 WDR

In NRW schon aufgenommen

Einige Bundesländer wie NRW führen eigene Listen des immateriellen Kulturerbes. In NRW ist das Brieftaubenwesen ins Landesinventar schon aufgenommen worden. Der Kulturerbe-Status soll helfen, Traditionen zu erhalten und weiterzuentwickeln.

Brieftauben-Freund beklagt Niedergang

Wolfgang Paszkowiak, Züchter aus Bochum, hätte eine Kulturerbe-Aufnahme des Brieftaubenwesens begrüßt. Er kann den Protest der Tierschützer nicht nachvollziehen. Im Ruhrgebiet gebe es seit vielen Jahren einen Niedergang des Hobbys. Vor zehn Jahren seien allein in Bochum noch etwa 600 Brieftauben-Freunde gewesen - heute gebe es nur noch 120.

"Die Städte genehmigen in Wohngebieten keine Taubenzucht", kritisierte Paszkowiak. "Früher hatten die Leute in den Zechensiedlungen alle Tiere, heute darf ja nicht mal mehr ein Hund bellen."

Stand: 11.12.2018, 11:52

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