Missbrauch: Bottroper will Kirche auf Schadensersatz verklagen

Im Gegenlicht und vor einem wolkigen Himmel ein Kreuz auf einer Kirche

Missbrauch: Bottroper will Kirche auf Schadensersatz verklagen

  • Missbrauchsopfer fordert 500.000 Euro
  • Als Minderjähriger von Priester missbraucht
  • Wohl mehr Fälle in Bottrop als bislang bekannt

Ein Mann aus Bottrop will die Kirche auf 500.000 Euro Schadensersatz verklagen. Wie sein Anwalt dem WDR am Dienstagabend (18.02.2020) erklärte, habe der Priester seinen Mandanten als Minderjährigen in den 1970er Jahren sexuell missbraucht. Der Priester hatte sich auch in Essen und Bayern an Jungen vergangen.

Der Fall zählt zu einem großen Missbrauchsskandal der katholischen Kirche. Auch, weil Joseph Ratzinger - der spätere Papst Bendikt XVI. - damals von den Vorfällen gewusst haben soll. Das Bistum Essen hat am Mittwoch (19.02.2020) bekannt gegeben, dass es sich um fünf weitere Opfer handeln soll.

Zuhause beim Priester

Der betroffene Bottroper berichtet, dass ihn der Priester damals mehr als 20 Mal missbraucht habe. Er sagt, dass er von dem Priester zu sich nach Hause eingeladen wurde. Dort hätte dieser ihm Wein und Zigaretten gegeben. Es sei zu Berührungen und sexuellen Handlungen gekommen.

Laut Ulrich Lota, Sprecher des Bistums, habe man in der Vergangenheit mehrfach Betroffene dazu aufgerufen, sich zu melden. Das Bistum überlege das zu wiederholen.

Opfer erhalten Zahlungen

Sieben der acht bekannten Opfer haben bisher eine Zahlung von jeweils 5.000 Euro erhalten. Eine Person habe darauf verzichtet. Laut dem Sprecher des Bistums Essen waren das "keine Entschädigungszahlungen", sondern Zahlungen "in Anerkennung des erlittenen Leids".

Mit einer Entschädigung können die Opfer rechnen, sobdald sich die Deutsche Bischofskonferenz auf ein Modell für die Entschädigung von Missbrauchsopfern geeinigt habe.

Priester immer wieder versetzt

Der Bottroper hatte sich zusammen mit ein paar weiteren Männern an das Recherchezentrum CORRECTIV gewandt. Wie die gemeinsam mit dem ZDF-Magazin "Frontal 21" am Dienstag (18.02.2020) berichteten, hat der Priester wohl mehr Jungen in Bottrop missbraucht, als bislang bekannt.

Der Priester hatte nach seiner Weihe Anfang der 1970er Jahre in Bottrop begonnen zu arbeiten. Wegen ersten Missbrauchsvorwürfen wurde er nach Essen versetzt und von dort aus später nach Bayern geschickt. Dem Bistum Essen zufolge waren der Kirche seine Neigungen bekannt, weshalb eine psychologische Behandlung angeordnet wurde.

Bistümer sprechen von 28 Fällen

Nach der Behandlung durfte er aber weiter arbeiten. Auch mit Jugendlichen. Die Bistümer in Essen und München sprechen heute von mindestens 28 Missbrauchsfällen. Das Bistum Essen schließt nicht aus, dass es weitere Betroffene gibt. Der Priester lebt als freier Mann in München.

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WDR 5 Morgenecho - Interview 18.12.2019 04:56 Min. Verfügbar bis 17.12.2020 WDR 5

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Stand: 19.02.2020, 13:32