Menschen steigen aus einem Reisebus

"Vielen, vielen Dank!" Flüchtlinge aus Ukraine im Ruhrgebiet angekommen

Stand: 03.03.2022, 09:26 Uhr

Ein Bottroper Busunternehmen hat ukrainische Flüchtlinge ins Ruhrgebiet gebracht. 43 Menschen sind am Donnerstag angekommen. Eine emotional aufwühlende Situation für alle Beteiligten.

Von Denise Friese

Um 07:13 Uhr ist der Reisebus am Flüchtlingsheim in der Memelstraße in Duisburg angekommen. Die meisten der 43 Flüchtlinge aus der Ukraine sind Frauen und Kinder. Sie steigen ruhig und gefasst aus dem Bus, nehmen ihr Gepäck entgegen. Viele von ihnen ziehen vorerst ins Übergangsheim ein, das die Stadt Duisburg als Unterkunft angeboten hat.

Bus bis zum Rand voll mit Spenden in Säcken und Kartons verpackt

Bottroper Bus bis zum Rand voll mit Spenden für ukrainische Flüchtlinge

Eine mühselige Flucht aus der Ukraine und 18 Stunden Fahrt mit dem Reisebus liegt hinter den Flüchtlingen. Den Bus hatte ein Bottroper Unternehmen voll gepackt mit Spenden aus dem Ruhrgebiet an die polnisch-ukrainische Grenze geschickt, um zu helfen.

Ina und Daniel freuen sich über die Hilfe

Ein Mann hält seine Verlobte und ihren Sohn im Arm, sie sind aus der Ukraine geflohen

Ina und ihr Sohn Daniel werden vom Verlobten in Duisburg abgeholt

Mit im Bus waren auch Ina und ihr 14-jähriger Sohn Daniel. Die beiden sind aus Schytomyr geflohen, das etwa 140 Kilometer westlich von Kiew liegt. Der Verlobte von Ina hat sie am Bus in Duisburg abgeholt und nimmt sie mit nach Baden-Württemberg, wo er lebt.

Deutsch sprechen Ina und Daniel nicht, aber der Verlobte übersetzt, was Ina sagt: "Vielen, vielen Dank!" Sie freue sich über die große Hilfe. Für den Sohn Daniel sei es aber jetzt "großer Stress" ohne Schule und seine Freunde. Als sie am Montag ihr Zuhause verlassen haben, sei es in der Großstadt noch ruhig gewesen. Mittlerweile berichten Medien über russische Luftangriffe auch in Schytomyr.

Beim Anblick der Kinder "muss ich weinen"

Dass einige Menschen jetzt in Sicherheit sind, beruhigt Margarethe Sczymanski, die für das Bottroper Reisebusunternehmen "Urban" arbeitet. Die Ankunft der erschöpften Menschen hat sie sehr berührt. "Ich sehe nur die Kinder und dann muss ich jetzt schon wieder weinen," so Sczymanski. "Sehr schlimm und sehr traurig" sei das alles.

Die Hilfsaktion sei eine "besondere Herausforderung" gewesen: Tag und Nacht am Telefon, Unterkünfte für die Menschen suchen und die Massen an Spenden organisieren. Zwei Lager, eins in Oberhausen und eins in Gladbeck seien noch voll.

Im Laufe der Woche werden weitere Lkw die Sachen nach Polen, zur ukrainischen Grenze bringen. Dafür werde das gespendete Geld genutzt. 12.000 Euro seien zusammengekommen. Flüchtlinge sollen vorerst nicht mehr geholt werden, weil in Polen alles gut organisiert sei, sagt sie.

Über dieses Thema berichten wir auch in der Lokalzeit Ruhr am 03.03.22 um 19:30 Uhr.