Tödliche Polizeischüsse: Beamter in Bochum vor Gericht

Gerichtssaal im Bochumer Landgericht mit angeklagtem Polizisten, Verteidiger und Richtern

Tödliche Polizeischüsse: Beamter in Bochum vor Gericht

Ein Polizist muss sich wegen Totschlags vor Gericht verantworten. Bei einem Einsatz vor zweieinhalb Jahren hatte er drei Schüsse auf einen Rentner abgegeben.

Ruhig und gefasst hat der 37 -jährige Polizist den Fall aus seiner Sicht im Gerichtssaal geschildert. Völlig überraschend sei die Situation eskaliert. Der Rentner habe eine Waffe aus seinem Hosenbund gezogen und auf ihn gerichtet .

Umfassende Aussage

Auf die Kamera wird eine Pistolenmündung gerichtet.

Die Umstände der tödlichen Schüsse sollen geklärt werden.

"Ich habe einen metallischen Griff erkannt", so der Polizist, "und bin von einem Messer ausgegangen“. Der Rentner soll dann gesagt haben, es sei eine Pistole und die gegen den Polizisten angelegt haben, schilderte dieser: "Ich habe direkt in den Lauf der Waffe geschaut und dann habe ich geschossen."

Später stellte sich heraus, dass die vermeintliche Waffe ein Feuerzeug war. Eigentlich sollte es zunächst gar nicht zum Prozess kommen. Die Staatsanwaltschaft bewertete den Fall als Notwehr. Angehörige des Opfers erreichten aber durch ihre Beschwerde, dass der Beamte jetzt doch vor Gericht kommt.

Angehörige wollen Aufklärung

Die drei Söhne, sowie die Ehefrau hoffen durch den Prozess mit dem Tod ihres Vaters und Mannes abschließen zu können. Beim Prozessauftakt vor dem Bochumer Landgericht am Mittwochmorgen sagte ihr Anwalt: "Wir erhoffen uns die Aufklärung der Umstände, die zum Tod einer Person geführt haben, von der keine Gefahr ausging."

Die Vorgeschichte: Im Dezember 2018 soll der Polizist bei einem Einsatz wegen Ruhestörung im Stadtteil Altenbochum einen 74-jährigen Rentner erschossen haben. Der Mann hatte offenbar betrunken randaliert und dem Angeklagten gedroht, er werde eine Pistole ziehen.

Laut Anklage hielt der Rentner dann tatsächlich einen waffenähnlichen Gegenstand in der Hand. Als er sich damit auf den Polizisten zubewegte, soll dieser drei Schüsse abgegeben haben. Der dritte ging ins Herz und war tödlich.

Tödlicher Schuss nicht nötig gewesen?

Eine Rolle vor Gericht dürfte auch ein Obduktionsbericht spielen. Laut dem Anwalt der Angehörigen liest sich der Bericht so, dass der dritte Schuss des Polizisten tödlich war und nicht mehr nötig gewesen wäre. Der Anwalt des Polizisten hält das Verfahren für überflüssig- sein Mandant habe klar aus Notwehr geschossen.

Stand: 26.05.2021, 13:58