Ärger um Impfreihenfolge an Bochumer Augusta-Kliniken

Außenansicht der Augusta-Klinik in Bochum

Ärger um Impfreihenfolge an Bochumer Augusta-Kliniken

Große Aufregung herrscht an den Augusta-Kliniken in Bochum. Mitarbeiter der Führungsetage sollen geimpft worden sein, obwohl Ärzte oder Pflegepersonal an der Reihe gewesen wären.

Sie sprechen von einem unmoralischen Vorgehen und sind stinksauer. Mitarbeiter der Augusta-Kliniken in Bochum wollen beobachtet haben, wie die gesamte Führungsetage des Krankenhauses eine Corona-Schutzimpfung erhalten habe - und das, obwohl sie keinen direkten Patientenkontakt hätten. Ein Mitarbeiter des Krankenhauses, der anonym bleiben will, hat das dem WDR bestätigt. Er spricht von "klüngelhaftem Verhalten". Chefs hätten ihre Führungsposition schamlos ausgenutzt.

Impfstoff musste angeblich weg

Sogar die Eltern des Geschäftsführers seien in der Impfstraße gesehen und geimpft worden. Das sei "die Krönung" gewesen, so der Mitarbeiter. Die Klinikleitung räumte gegenüber dem WDR ein, dass tatsächlich Personen, die keinen direkten Patientenkontakt haben, geimpft wurden. Am Impftag habe es zehn Terminabsagen gegeben, die kurzfristig neu besetzt werden mussten.

"Nicht wahrgenommene Impftermine wurden durch eine Nachrückerliste gemäß Vorgaben und Empfehlungen des Landesministeriums berufsübergreifend vom Ärztlichen Dienst über den Reinigungsdienst bis hin zur Verwaltung nach Verfügbarkeit kurzfristig besetzt" heißt es in einer Stellungnahme des Klinikums.

Durch das Nachrückverfahren komme es dazu, dass "Personen niedriger Prioritätsstufen vor Personen höherer Prioritätsstufen geimpft werden". Man habe keinen Impfstoff verfallen lassen wollen, so Geschäftsführer Thomas Drahten.

Zum Teil seien die Spritzen schon aufgezogen gewesen: "Nur in dieser zeitkritischen Situation sind in Einzelfällen auch betriebsfremde Personen geimpft worden, die den Risikogruppen zugeordnet sind", heißt es in der Stellungnahme weiter. Aus datenschutztechlichen Gründen könne man aber keine Auskünfte zu konkreten Personen geben.

Auch externe Mitarbeiter geimpft

Nach Aufforderung durch das Gesundheitsamt seien auch externe Mitarbeiter, wie beispielsweise des Kuratoriums für Heimdialyse geimpft worden.

Zeitarbeitskräften, die beispielsweise auf der Intensivstation tätig sind, habe man bisher noch kein Impfangegbot machen können. Das soll sich aber durch einen Erlass des Gesundheitsministeriums in NRW ändern. "Zeitarbeitskräften der höchsten Prioritätsstufen könne bereits ab der kommenden Woche ein konkretes Impfangebot gemacht werden", heißt es vom Klinikum.

Stand: 19.02.2021, 12:29