9/11-Gedenken: Bochum läutet für New York

Die Glocken im Glockenturm der Christuskirche in Bochum sind grau und riesig und mit großen Stahlträgern befestigt.

9/11-Gedenken: Bochum läutet für New York

Am Samstag jährten sich die Anschläge vom 11. September in New York zum 20. Mal. Einer der Attentäter lebte in Bochum. In Gedenken an die Opfer der Anschläge läuteten die Glocken der Christuskirche.

Genau um 14:46 Uhr, als das erste Flugzeug einen der Zwillingstürme des World Trade Center traf, wird die Christuskirche laut – zum Gedenken an das terroristische Attentat. 17 Minuten verstrichen damals zwischen dem ersten und dem zweiten Einschlag ins World Trade Center. Und so lang ist auch das Läuten zu hören.

Das ganze Jahr ist die Kirche stumm außer am 11.9.

Der Pfarrer schaut hinter einer der riesigen, grauen Glocken im Glockenturm hervor. Er trägt eine Brille und hat lockiges, kurzes braunes Haar.

Pfarrer Thomas Wessel

Normalerweise bleibt die Christuskirche wegen ihrer Baufälligkeit das ganze Jahr über stumm. Nur dieses eine Mal lässt Pfarrer Thomas Wessel die alten Glocken ertönen.

Und das hat Tradition: "In New York läuten an diesem Tag die Glocken vieler Kirchen. Das war einige Jahre lang so, und da haben wir gedacht, wir grüßen sozusagen über den Teich mit unseren Glocken. Das ist ein Erlebnis, das sich in die kollektive Erinnerung eingebrannt hat."

Einer der Attentäter aus Bochum

Bochum schaut immer genau auf dieses Datum. Denn die Stadt hat eine Verbindung zum Terror in den USA. Vier Tage nach den Anschlägen kam die Nachricht: Einer der Attentäter hat zeitweise auch in Bochum gewohnt. Ziad Jarrah - einer der Todespiloten, die das Flugzeug in Pennsylvania zum Absturz brachten.

Die Hintermänner von 9/11: Welche Rolle spielte Saudi-Arabien? Monitor 09.09.2021 09:39 Min. UT Verfügbar bis 30.12.2099 Das Erste Von Nikolaus Steiner

Fachhochschule Bochum von Journalisten überrannt

Meldungen machten die Runde, Jarrah hätte sogar an der Fachhochschule studiert. Urplötzlich stand die Weltpresse mit Übertragungswagen vor der Tür.

Der damalige Kanzler der FH Rainer Ambrosy erinnert sich: "Gleichwohl war es so, dass die Journalisten von uns forderten, mal die Labore zu sehen, so nach dem Motto: Wir wollen doch mal wissen, wie und wo Terroristen ausgebildet werden. Das war ganz schrecklich für uns. Bisher waren die Attentate schrecklich, aber weit weg, aber jetzt rückten sie ganz nahe."

Anschläge in Bochumer Studentenwohnheim vorbereitet

Am Ende stellte sich heraus: Jarrah war nicht in Bochum eingeschrieben. Er hat aber im Wohnheim bei seiner Freundin gelebt, hat dort auch die Anschläge vorbereitet. Die Spuren, die der 11. September hinterlassen hat, sind heute immer noch da.

Rainer Ambrosy hat das bis heute geprägt, vor allem bei seiner Arbeit an den Hochschulen: "Zehntausende Studierende wuseln durcheinander und fortan war immer meine tiefe Sorge, es könnte einfach mal was passieren. Die Angst ist bei mir immer geblieben."

Bis heute läuten zum Gedenken ein Mal im Jahr, wie auch am Samstag, 20 Jahre nach dem Attentat in New York, die Glocken der Christuskirche in Bochum.

9/11: Bochumer Glocken läuten zum Gedenken

WDR 5 Westblick - aktuell 10.09.2021 03:27 Min. Verfügbar bis 10.09.2022 WDR 5 Von Stefan Göke


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Stand: 11.09.2021, 14:46

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