Hattinger Feuerwehrmann in rechtem Rockerclub

In Bochum hat sich ein neuer Rockerclub mit Bezügen zu Neonazis angesiedelt. Offenbar ist ein Feuerwehrmann der Stadt Hattingen führendes Mitglied dieses Rockerclubs.

Brandmeister Malte B. ist tief in die Rockerszene verstrickt. Er posiert auf Bildern zum Beispiel mit einem bundesweit bekannten Neonazi, der schon wegen Totschlags verurteilt wurde. Der "Outlaws MC", bei dem Malte B. jetzt mitmacht, wird vom Landeskriminalamt und dem Verfassungsschutz beobachtet. Dem WDR liegen Videos vor, die Malte B. beim Untergrundkampf der Hooliganszene zeigen. Wie passt das mit seinem Job als Brandmeister bei der Feuerwehr in Hattingen zusammen?

Sicherheitsbehörden sind alarmiert

In dieser ehemaligen Gaststätte im Bochumer Stadtteil Kornharpen siedeln sich die Rocker an. | Bildquelle: WDR

Das passe gar nicht zusammen, sagt Sebastian Pelzer von der Antifaschistischen Recherche. Wir haben seinen Namen geändert. Das sei ein hochkriminelles Milieu mit Zugriff auf Waffen und Sprengstoff, sagt Pelzer. In einer ehemaligen Gaststätte im Bochumer Stadtteil Kornharpen entsteht zurzeit das Vereinsheim des neuen Chapters des "Outlaws MC".

Hier hat es Ende September schon einen Zwischenfall gegeben. Nachbarn wollen Schüsse gehört haben. Das kann die Bochumer Polizei zwar nicht bestätigen, trotzdem ist sie alarmiert. Sie hat mit dem neuen Rockerclub bislang kaum Erfahrungen.

Polizei schaut genau hin

Die Outlaws sind vor allem in Süddeutschland aktiv, scheinen aber zu expandieren. Frank Lemanis, Sprecher der Polizei Bochum, sagt, seine Behörde schaue da ganz genau hin. Es werde immer deutlicher, dass sich eine sogenannte Mischszene aus Rockern, Hooligans und rechten Straßenkämpfern bilde.

Auch der NRW-Verfassungsschutz sieht Verbindungen zwischen Teilen des Rockermilieus und der rechtsextremistischen Szene. Auf WDR-Anfrage schreibt die Behörde: "Dort vernetzen sich Rechtsextremisten mit Rockern, Hooligans, Türstehern, Wutbürgern (…). Diese Mischszenen sind demokratiefeindlich und in Teilen gewaltorientiert. (…) Darüber hinaus sind einige Rechtsextremisten auch in Rockergruppierungen aktiv. Diese Personen stehen im besonderen Fokus der Sicherheitsbehörden. Die große Gefahr ist, dass sich aus diesen extremistisch dominierten Mischszenen heraus klandestine Kleingruppen (wie die Gruppe S.) bilden können, die Anschläge planen."

Straßenkämpfer-Szene von rechten Hooligans dominiert 

In genau diesem Milieu scheint sich Feuerwehrmann Malte B. zu bewegen. Etwa als er an einem schwedischen Untergrundkampf teilnimmt, dem sogenannten "King of the Streets"-Kampf. Robert Claus recherchiert seit Jahren in der Straßenkämpfer- und Hooliganszene. Die werde deutlich von rechten Gruppen dominiert, die Kämpfer dort würden vor allem aus dem Neonazi- und Hooliganspektrum kommen. Das Bochumer Rocker-Chapter bestreiten diese Vorwürfe. Im Internet schreiben die Rocker, sie seien weder rechts noch links.

Das bezweifelt Robert Claus. Die Kontakte, die Malte B. pflege, würden deutlich seine Nähe zu Neonazis zeigen. Auf eine Anfrage unserer Redaktion haben die "Outlaws MC" und Malte B. bislang nicht reagiert.

Stadt Hattingen reagiert "bestürzt" auf Bericht

Die Stadt Hattingen äußert sich nicht konkret zu dem Fall. | Bildquelle: WDR

Die Stadt Hattingen sei nach der WDR-Berichterstattung "bestürzt", sagte eine Sprecherin. Man wolle den Vorwürfen jetzt nachgehen. Malte B. werde zu einem Gespräch eingeladen. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, könne das ernste Konsequenzen für seine Beamtenkarriere haben.