Pädophiler Priester in Bochum: Ruhrbistum wusste lange Bescheid

Bischof Franz-Josef Overbeck besucht 2019 die Bochumer Gemeinde St. Joseph und entschuldigt sich

Pädophiler Priester in Bochum: Ruhrbistum wusste lange Bescheid

Ruhrbischof Overbeck hat im Fall eines pädophilen Priesters schwere Versäumnisse des Bistums Essen eingeräumt. Eine unabhängige Untersuchung habe die Fehler nun offenbart.

Der mehrfach wegen sexuellen Missbrauchs verurteilte Priester Nikolaus A. hatte als Ruheständler jahrelang in einer Gemeinde in Bochum ausgeholfen. Von 2002 bis 2015 hatte er in der Gemeinde im Stadtteil Wattenscheid gelebt.

Bistum wusste schon 2001 Bescheid

Erst im vergangenen Jahr ist dieser Fall öffentlich gemacht worden und Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck hatte sich bei der Gemeinde entschuldigt. Außerdem beauftragte das Bistum eine Anwaltskanzlei, zu überprüfen, was über Nikolaus A. wann bekannt war.

Die Kanzlei hat nun herausgefunden, dass dem Bistum Essen bereits 2001 erste Informationen zu den Vorwürfen gegen Nikolaus A. bekannt waren, aber nichts unternommen wurde. Der Geistliche war in den 1970er und 1980er Jahren mehrfach wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt worden. Er arbeitete damals im Erzbistum Köln und im Bistum Münster.

Ruhrbischof Overbeck bezeichnet die Ergebnisse der Untersuchung als "beschämend". Einer Mitteilung des Ruhrbistums zufolge zeige der Bericht der Kanzlei unter anderem, dass Akten fehlten und dass es an Absprachen zwischen den Bistümern mangelte.

Bischof sieht Mitschuld

"Als Bischof hätte ich den dringenden Handlungsbedarf erkennen und entsprechend handeln müssen", räumt Overbeck ein. Er hätte den Priester spätestens 2010 nach seinem eigenen Amtsantritt als Bischof abziehen müssen.

Damals wurden alle Akten zu bekannten Missbrauchsfällen durchgeschaut, doch kein Handlungsbedarf im Fall Nikolaus A. gesehen. "Aus heutiger Sicht unverständlich", so Overbeck.

Stand: 18.11.2020, 16:35