Bildung im Ruhrgebiet: Es ist nicht alles schlecht

Ein Kind schreibt mit Magnetbuchstaben das Wort "Schule" an eine Magnettafel.

Bildung im Ruhrgebiet: Es ist nicht alles schlecht

Wie sieht's aus im Ruhrgebiet in Bezug auf Bildungschancen, Bildungsentwicklung und auch wirtschaftliche Stärke? Das hat der "Bildungsbericht Ruhr 2020" untersucht.

Die Bildungsinitiative "RuhrFutur", hinter der unter anderem die Stiftung Mercartor und der Regionalverband Ruhr (RVR) stehen, hat den "Bildungsbericht Ruhr 2020" vorgelegt. Wir klären die wichtigsten Fragen.

Wie sieht der Bericht die sozialen Verhältnisse im Ruhrgebiet?

Der Bildungsbericht Ruhr hat sich dazu die sozialen Verhältnisse genauer angeguckt. Vor allem der Anteil der Kinderarmut sei sehr hoch: So leben laut Bericht im Ruhrgebiet (Stand 2018) 26,2 Prozent der Kinder unter 15 Jahren in Haushalten, die auf Hartz IV angewiesen sind – Regionen wie München oder Stuttgart liegen dagegen bei nur etwa sieben bzw. neun Prozent.

Besonders hohe Zahlen weisen für das Jahr 2018 die großen Ruhrgebietsstädte Dortmund, Duisburg und Essen auf. Alle liegen bei Werten um die 30 Prozent. Die Stadt Gelsenkirchen kommt mit 40,4 Prozent sogar auf die höchste Quote bundesweit - erst gefolgt von Bremerhaven mit 33,8 Prozent.

Schwächere soziale Verhältnisse werden im Allgemeinen als schlechtere Bildungsvoraussetzung gesehen.

Wie gerecht ist NRW Ihre Meinung 14.11.2018 01:29:04 Std. UT DGS Verfügbar bis 14.11.2023 WDR Von Philipp Wundersee

Wie steht das Ruhrgebiet als "Bildungs-Revier" da?

Der Bildungsbericht kommt hier auf eine gemischte Bilanz: Denn eigentlich gibt es einen Zuwachs der Menschen mit Fachhochschul- bzw. Hochschulreife in den letzten Jahren. Der Anteil wuchs hier von 26,9 Prozent im Jahr 2013 auf 32 Prozent im Jahr 2018. Trotzdem bildet das Ruhrgebiet das Schlusslicht im Regionenvergleich.

Der zeigt unter anderem auch, dass im Ruhrgebiet besonders der Anteil der Hochschulabsolventen mit 12,0 Prozent im Jahr 2018 gering ausfällt. In den Regionen München, Stuttgart, Frankfurt/Rhein/Main liegt dieser Wert deutlich über 20 Prozent, aber auch das Rheinland und Westfalen schneiden besser ab als die Metropole Ruhr.

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Gibt es trotzdem Hoffnung?

Ja! Denn laut Studie weist das Ruhrgebiet auch besondere Potenziale auf: Die hohe Dichte an Hochschulen, das umfangreiche Angebot an weiterführenden Schulen, Berufskollegs und Ausbildungsbetrieben seien gute Ausgangspunkte, um diese Herausforderungen anzugehen.

Das Ziel, eine Hochqualifizierung wie in den Regionen München oder Stuttgart zu erreichen, sehen die Macher der Studie im Moment noch eher als Fernziel. Aber genau darum sollte innerhalb der erwähnten Bildungs-Infrastruktur im Ruhrgebiet jetzt verstärkt ausgebildet werden. Das, so der Bildungsbericht Ruhr, sollte nun ganz oben auf der Agenda stehen.

Stand: 11.12.2020, 13:37