Bier im Lockdown: "Lieber verschenken als wegschütten"

Im "Don't Panic" laufen bald 35 Kisten Flaschenbier ab.

Bier im Lockdown: "Lieber verschenken als wegschütten"

Von Agata Pilarska

Seit fast einem Jahr haben Gastronomen mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Etwa genauso lange, wie Fass- und Flaschenbier frisch bleibt. Was passiert jetzt mit den ablaufenden Reserven?

"Nimm einem Metaller niemals das Bier weg," sagt Peter Siewert und lacht. Seit 16 Jahren ist er Inhaber des Essener Clubs "Turock" am Viehofer Platz. Livemusik und Bier - das gehört in einem Rock- und Metalclub einfach zusammen. Vor einem Jahr fanden hier noch im Durchschnitt vier Konzerte pro Woche statt. Die Zapfanlage lief mit rund 20 angeschlossenen Fässern auf Hochtouren.

Bier verschenkt

Ist ein Fass erstmal angestochen, hält es gerade mal zwei bis vier Wochen. "Wir waren im ersten Lockdown die Ersten in NRW, die deswegen Bier verschenkt haben", erzählt er. Viele Gäste haben dafür eine Spende dagelassen. Weil die Schlange jedoch durch die halbe Innenstadt führte, musste die Aktion abgebrochen werden. Dennoch waren zuvor genug Leute auf ein "Beer to go" vorbei gekommen - allzu viel musste nicht im Abfluss landen.

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Zurückgeben kann Peter Siewert die übrig gebliebenen Fässer allerdings nicht. Wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum näher rückt, tauscht sein Großhändler die verschlossenen Fässer gegen frisches Bier aus. Eine Option, für die der Gastronom sehr dankbar ist. Aktuell sind die Vorräte noch bis Juni haltbar. "Ich habe die Hoffnung, dass wir das Bier noch im Biergarten verkaufen können."

Dabei gibt es eigentlich im "Turock" keine Außengastronomie. Im Laufe des vergangenen Sommers hat sich Peter Siewert mit den beiden benachbarten Bars "Don't Panic" und "Cafe Nord" zusammengetan und einen beachtlich großen Biergarten mit Live-Musik auf dem Viehofer Platz erschaffen.

Auch im "Cafe Nord" sind Bierfässer vom Sommer übrig geblieben. Die Menge sei jedoch überschaubar, sagt Inhaber Dirk Weidenhaupt: "Wegen der Sperrstunde im Oktober kamen immer weniger Gäste. Dementsprechend haben wir schon im Herbst den Warenbestand reduziert."

Keine Rücknahme von Flaschenbier

Im "Don't Panic" ist jetzt allerdings Kreativität erforderlich, um rund 35 Kästen Bier vor dem Ausschütten zu retten. Zurückgegeben werden kann das Flaschenbier nämlich nicht. "Das nimmt keine Brauerei an, das ist Eigenrisiko." sagt Christian Fischer. Er führt die Bar und Konzertstätte zusammen mit seiner Frau.

Obwohl im "Don't Panic" ebenfalls gezapft wird, ergänzen fast 40 internationale Sorten die Bierkarte. Das Zapf-Bier sei glücklicherweise pünktlich zum zweiten Lockdown im Rahmen einer Aktion für kleines Geld verkauft worden.

Bier läuft ab

Ein großer Vorrat des Flaschenbiers drohte jedoch schon im Dezember abzulaufen. "Wir haben je nach Geschmacksrichtung verschiedene Bier-Pakete zusammengestellt. Diese haben wir dann ausgeliefert oder abholen lassen," erzählt Christian Fischer. Rund 30 Prozent konnten so verkauft werden, den Rest haben sie verschenkt.

Im März und April laufen wieder zahlreiche Flaschenbiere ab. "Auf uns kommt die zweite Bierwelle zu", scherzt er. Statt nochmal einen Lieferservice anzubieten überlegen die beiden Inhaber, das Bier direkt als Geschenk anzubieten.

Christian Fischer geht davon aus, dass kein Tropfen weg gekippt werden muss. "Wir bekommen riesigen Rückhalt von unseren Gästen, auf die verlasse ich mich".

Bei vielen Brauereien sieht das anders aus. Dort muss das Bier zum Teil weg geschüttet werden.

Stand: 17.02.2021, 20:08

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