Bistum Essen will Opferbeirat direkt beteiligen

Außenaufnahme Essener Dom

Bistum Essen will Opferbeirat direkt beteiligen

Von Carmen Krafft

Das Bistum Essen könnte anderen Diözesen vormachen wie es geht: In der kommenden Woche treffen sich zum ersten Mal Betroffene sexuellen Missbrauchs. Sie sollen mitwirken, z.B. beim Thema Prävention.

Stephan Betram (58) aus Bottrop schleppt das, was ihm der junge Kaplan Peter H. in der Dienstwohnung 1976 angetan hat, mit sich herum wie eine schwere Last. "H. hat alles mit mir gemacht - angefangen beim Küssen - und bei der Oralbefriedigung hat es nicht aufgehört", erzählt der gelernte Elektriker. Seinen Beruf kann er wegen psychischer Probleme nicht mehr ausüben.

Priester nutzte seine Macht aus

Missbrauchs-Opfer Stephan Betram vor der Kirche

Vom Kaplan missbraucht: Stephan Bertram (58) wartet auf einen Therapieplatz

Peter H. wird später als einer der schlimmsten Sexualstraftäter der katholischen Kirche bekannt, einer der nach Übergriffen immer wieder versetzt wurde. "Er hat seine Macht als Kaplan ausgenutzt. So etwas darf nie wieder vorkommen", sagt Bertram.

Besonderheit im Bistum Essen: Nicht der Bischof entscheidet

Der Bottroper ist dabei, wenn sich jetzt in Essen über 40 Missbrauchs-Opfer treffen, um einen der ersten Betroffenen-Beiräte in den katholischen Bistümern konkret zu gründen. Damit folgt man einer Vorgabe der Deutschen Bischofskonferenz. An der Ruhr aber mit einer Besonderheit: Nicht der Bischof soll entscheiden, wer ihn beim Thema Prävention und Aufarbeitung berät, sondern die Betroffenen selbst.

Betroffenen besser zuhören

"In einigen Gemeinden und bei manchen Priestern ist immer noch nicht ganz angekommen, dass es bei Missbrauch nicht um Einzelfälle geht", sagt der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer. Hier habe der Beirat eine wichtige Aufgabe: "Uns ist wichtig, dass man den Betroffenen wirklich zuhört."

Kritik: Beirat als Feigenblatt

Missbrauchs-Opfer Peter Menger in Wattenscheid

Sieht den Opfer-Beirat kritisch: Peter Menger, ehemaliges Heimkind

Peter Menger (62) sieht einen neuen Beirat kritisch. Er wurde in einem Wattenscheider Kinderheim als Jugendlicher missbraucht. Sein Vorwurf: Das Bistum versuche, Opfer wie ihn für die eigene Sache einzuspannen. "In der Kirche wird sich aber nichts verändern." Für ihn hat sich die katholische Kirche unglaubwürdig gemacht. "Ich warte immer noch auf eine Entschädigung."

Stand: 10.06.2021, 12:01