Dortmund: Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt schlägt Alarm

Opferberatungsstelle Backup ist überlaufen wie noch nie 02:46 Min. Verfügbar bis 12.12.2020

Dortmund: Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt schlägt Alarm

Von Christof Voigt

  • Immer mehr Menschen suchen Hilfe
  • Rassistische Pöbeleien im Wohnumfeld nehmen zu
  • Mehr Fälle im ländlichen Raum

BackUp, die Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt in Westfalen, schlägt Alarm. Immer mehr Menschen suchen bei der Einrichtung mit Sitz in Dortmund Hilfe. 2019 waren das so viele wie lange nicht mehr.

Anstieg rassistischer und rechtsextremer Gewalt

73 Menschen aus Ostwestfalen-Lippe und dem Ruhrgebiet haben die Beratungsstelle in diesem Jahr schon aufgesucht. Das ist seit der Gründung der Einrichtung im Jahr 2011 ein Spitzenwert - nur 2012 brauchten noch mehr Menschen (94) Hilfe.

BackUp-Leiter Martin Kesztyüs

In den vergangenen Jahren sei insgesamt ein Anstieg rassistischer und rechtsextremer Gewalt in Westfalen zu verzeichnen, resümiert Martin Kesztyüs, Leiter bei BackUp (2017: 43 Fälle; 2018: 54 Fälle). Die Menschen, die hier Hilfe suchen, wurden rassistisch beleidigt oder bedroht. Einige wurden auch von Neonazis angegriffen und verletzt. Eine Frau, um die sich BackUp kümmert, wäre nach einem Angriff in Bottrop fast gestorben.

Schwerpunkte in Dortmund und dem ländlichen Raum

"Vor allem rassistisch motivierte Angriffe und Pöbeleien im Wohnumfeld der Menschen haben zugenommen", sagt Martin Kesztyüs. Und zwar um ein Drittel. Dafür macht er nicht zuletzt die Verrohung der Sprache im Internet und in sozialen Medien verantwortlich, aber auch in der Politik.

"BackUp ist immer parteiisch", sagt Kesztyüs. "und zwar auf der Seite der Opfer!" Als einen Schwerpunkt rechter Übergriffe nennt er Dortmund. Immer öfter würden solche Fälle aber auch aus ländlichen Gebieten gemeldet, etwa dem Münsterland, Ostwestfalen-Lippe oder dem Sauerland.

Beistand vor Gericht und finanzielle Entschädigung

Die Beratungsstelle hilft, indem sie die Opfer rechter Gewalt zu Aussagen bei der Polizei oder vor Gericht begleitet. Wichtig vor allem in Dortmund, weil hier bei Prozessen gegen Neonazis regelmäßig 20 bis 30 Gesinnungsgenossen die Angeklagten unterstützen. Da ist schon der Weg zum Gerichtssaal, mitten durch eine Gruppe von Rechtsextremen, manchmal ein gefühltes Spießrutenlaufen.

Außerdem kann BackUp psychologische Hilfen und finanzielle Entschädigungen vermitteln. In Dortmund arbeitet die Beratungsstelle auch mit der Polizei zusammen. Sie bietet Opfern rechter Angriffe mittlerweile immer an, einen Kontakt zu BackUp zu vermitteln.

Stand: 11.12.2019, 18:43