Verleihung: Chemie-Nobelpreis für Mülheimer Professor

Benjamin List hält sich den Nobelpreis vor das Auge.

Verleihung: Chemie-Nobelpreis für Mülheimer Professor

Von Maya Graef

Da ist das Ding! Zwei Monate nach der Verkündung hat Benjamin List am Dienstag den Nobelpreis verliehen bekommen. Wegen Corona aber nicht in Stockholm, sondern in Berlin.

Er gehört seit Dienstag ganz offiziell zur Riege der größten Wissenschaftler aller Zeiten: Benjamin List, Direktor des Max-Planck-Instituts für Kohlenforschung in Mülheim. Seit die Auszeichnung vor zwei Monaten verkündet wurde, hat sich das Leben des 53-Jährigen komplett verändert. Darüber und über die Vorfreude auf die Preisverleihung hat Benjamin List kurz vor der Abreise nach Berlin noch mit WDR-Reporterin Maya Graef gesprochen:

Herr List, wie fühlt sich das an, Nobelpreisträger zu sein?

Noch bin ich es ja nicht. Sondern erst, wenn ich in Berlin damit ausgezeichnet wurde. Entsprechend bin ich jetzt noch sehr aufgeregt und viel beschäftigt. Aber meine Arbeit hat sich komplett geändert. Ich mache nicht mehr Chemie, sondern gebe Interviews im Radio und im Fernsehen.

Wünschen Sie sich, dass der Rummel um Sie bald wieder ein Ende hat?

Benjamin List zusammen mit Klaus Hasselmann

Benjamin List zusammen mit Klaus Hasselmann, der Nobelpreisträger für Physik.

Ich hoffe es, ehrlich. Wir hatten nämlich gerade die beste Phase meines Labors. Wir hatten tolle Katalysatoren, richtig spannende Industrie-Kooperationen, in denen die auch angewendet werden. Und ich war wirklich auf dem Höhepunkt meiner Karriere. Und dann kam dieser Anruf aus Schweden. Nicht falsch verstehen - ich bin dankbar und überglücklich darüber. Aber es hat mich komplett rausgerissen aus dem, was ich eigentlich mache. Und in dem ich auch ganz gut bin.

Die Verleihung findet coronabedingt nicht in Stockholm statt, sondern in Berlin. Macht Sie das traurig?

Schwierige Frage. Ich habe jetzt in meinem Beruf alles erreicht. Wer bin ich, dass ich mich jetzt beklage? Aber ich bin schon ein bisschen traurig, weil ich schon einmal das Glück hatte dagewesen zu sein. 1995, als meine Tante den Medizin-Nobelpreis gewonnen hat. Da hat sie mich netterweise mitgenommen. Und daher weiß ich, wie wunder-wunderschön es ist. Und was für ein tolles Fest es ist. Also, traurig, ja. Aber es ist eben nur ein Tag. Der Nobelpreis bleibt mein Leben lang. Insofern bin ich vor allem dankbar.

Aber Ihre Frau hätte Sie doch sicher schon gerne mal im Frack gesehen?

Das kann sehr gut sein! (lacht laut)

Wird der Moment der Preisübergabe denn trotzdem besonders für Sie?

Benjamin List im Portrait.

Nobelpreisträger Benjamin List

Auf jeden Fall! Nichts gegen den schwedischen Botschafter. Aber es wäre natürlich etwas anderes, wenn mir der schwedische König den Preis verleihen würde. Auf der großen Bühne, wo das gesamte Nobel-Kommitee sitzt und alle einen Frack tragen und die Damen toll gekleidet sind. Das ist einfach etwas anderes. Jetzt ist es etwas improvisiert. Im Harnack-Haus in Berlin. Da, wo wir Max-Planckler uns sowieso immer treffen. Aber es wird bestimmt ein emotionaler Moment. Meine Familie ist dabei, sehr gute Freunde sind dabei. Mal schauen. Ich lasse das jetzt einfach auf mich zukommen.

Wie wird der Nobelpreis denn in Mülheim in Ihrem Institut gefeiert?

Wir machen nichts Großes. Ich dachte, ich könnte alle einladen zum Public Viewing in der Mülheimer Stadthalle oder so. Da hätten wir mit 600 Mann die Zusammenfassung aller jetzt aufgezeichneten Verleihungen in den Ländern der einzelnen Preisträger anschauen können. Jetzt, wo ich ja selbst nicht in Stockholm bin. Aber das habe ich mir dann schnell auch wieder aus dem Kopf geschlagen. Wegen der aktuellen Coronalage. Wir machen es zurückhaltend im kleinsten Kreis.

Und danach? Kehrt dann wieder Ruhe ein bei Benjamin List?

Ich freue mich schon auf die Weihnachtstage. Die ersten zwei Wochen im neuen Jahr habe ich auch noch frei. Und dann wünsche ich mir mein altes Leben zurück und will aufregende Experimente machen mit meinen Doktoranden. Das ist ein ganz tolles Institut, ein Juwel im Ruhrgebiet. Und ich freue mich, da wieder mit allen zusammen zu arbeiten.

Chemie-Nobelpreisträger Prof. Dr. Benjamin List Kölner Treff 15.10.2021 01:42:43 Std. Verfügbar bis 15.10.2022 WDR

Stand: 07.12.2021, 19:07