Eisenbahnern droht Rausschmiss aus Ringlokschuppen

Historische Dampflok im Ringlokschuppen

Eisenbahnern droht Rausschmiss aus Ringlokschuppen

Von Carmen Krafft

Der jahrelange Zoff um Deutschlands größten Ringlokschuppen in Gelsenkirchen eskaliert: Der Regionalverband Ruhr hat den "Bahnwerkfreunden Bismarck" die Räumung angedroht.

Gleich in der Haupthalle des denkmalgeschützten Gebäudes zeigt sich das Desaster: Ein Berg aus Eisenbahnzubehör türmt sich zwischen den Dampf-Loks auf. Der Regionalverband Ruhr (RVR) hat als Eigentümer einen kleinen Teil des Ringlokschuppens bereits geräumt und den Nutzern der Hallen quasi vor die Füße geworfen.

Vereinschef Paul Lindemann säubert die Schienen der historischen Drehscheibe

Pflegen ist Pflicht: Vereinschef Paul Lindemann (81) säubert die Schienen an der historischen Drehscheibe

Nutzer der Hallen sind die Freunde des Bahnbetriebswerks Bismarck. Bereits seit 30 Jahren sind sie mit ihrem Verein in der historischen Anlage zuhause. Anfang der 90er erlaubte man den Eisenbahnfreunden im Rahmen einer Ausstellung, hier ihre Loks kostenlos unterzustellen und zu reparieren. Seit dieser Zeit halten sie das Gelände so gut es geht in Schuss.  

Areal verlassen oder Vertrag unterschreiben

Der große Krach zwischen dem RVR und den Lokfans bahnte sich schon vor Jahren an. Trotz Einsturzgefahr hätten die Bahnwerker immer wieder gesperrte Teile des Areals genutzt, begründet die Behörde die Räumung.

Der Regionalverband wirft den Bahnwerkfreunden außerdem vor, sich wie ein Eigentümer aufzuführen, weil zum Beispiel Loks trotz Verbots auf dem Gelände bewegt würden. "Wir brauchen eine Rechtsgrundlage", so ein RVR-Sprecher. Man sei für die Verkehrssicherheit verantwortlich. Der Verein soll deshalb jetzt die kompletten 100.000 Quadratmeter verlassen. Es sei denn: Er unterschreibt einen neuen Vertrag mit neuen Regeln und zahlt Miete.   

Verein weigert sich, künftig Miete zu zahlen

Der Vereinsvorsitzende Paul Lindemann und sein Stellvertreter Rudolf Koch sprechen hingegen von "Mobbing". Sie wollen weder zahlen noch einen neuen Vertrag unterschreiben. "Wir bringen hier viel Eigenleistung ein", so Lindemann. "Und haben dafür gesorgt, dass der Ringlokschuppen unter Denkmalschutz steht."

Für die Bahnwerkfreunde sind die Vorwürfe aus der Luft gegriffen, die Teilräumung sogar rechtswidrig. "Hier ist nichts einsturzgefährdet." Die zuständige Denkmalbehörde bestätigt gegenüber dem WDR, dass grundsätzlich keine Einsturzgefahr vorliegt.

Anlage müsste dringend saniert werden

Gleisbaukran von 1964 im Ringlokschuppen

Glanzstück: Duisburger Gleisbaukran von 1964

Tatsächlich ist Deutschlands Eisenbahn-Perle aber dringend sanierungsbedürftig - auch das bestätigt die Denkmalbehörde auf Anfrage des WDR. Pläne, was mit dem Ringlokschuppen passieren soll, hat der RVR aber offenbar nicht. Man hofft auf Investoren.

Hoffnung: Fördergelder durch Internationale Gartenausstellung

Die Lokfans fordern, dass sich der RVR um Perspektiven für den Ringlokschuppen kümmert. "Wenn Investoren hier auftauchen, schrecken die Millionen Sanierungs-Kosten ab", so Lindemann. Jetzt hofft man, dass als Teil der Internationalen Gartenausstellung 2027 Fördergelder fließen. Doch vorher muss geklärt werden, wie der Streit mit dem RVR beigelegt werden kann. Inzwischen hat sich die Stadt Gelsenkirchen einschaltet. Anfang Oktober soll es ein Krisengespräch mit den Beteiligten geben. 

Stand: 08.09.2020, 20:25

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