Archäologen legen alte Eisenhütten in Witten frei

Überreste altes Eisenhüttenwerk in Witten

Archäologen legen alte Eisenhütten in Witten frei

  • Archäologen legen Gewölbekeller alter Eisenhütten frei
  • Abriss für Gewerbegebiet geplant
  • Archäologen hoffen auf Erhalt

Vor einigen Wochen entdeckten Bauarbeiter Reste der 1855 gegründeten "Steinhauser Hütte" in Witten. Seitdem untersuchen Archäologen das vier Hektar große Gelände, auf dem ein Gewerbegebiet entstehen soll. Sie entdeckten zahlreiche Gewölbe und Überreste technischer Anlagen. Darunter sogenannte Puddel- und Flammöfen. Die Steinhauser Hütte erzeugte einst aus zugeliefertem Roheisen formbaren Stahl. In angegliederten Gießereien und Walzwerken wurden Endprodukte wie Schienen und Flachstähle hergestellt, unter anderem für die Köln-Deutzer Brücke.

Anlange aus der Zeit vor der Hochindustrialisierung

Überreste altes Eisenhüttenwerk in Witten

"Die verschiedenen technischen Verfahren belegen den massiven Wandel der deutschen Stahlindustrie an der Schwelle zur Hochindustrialisierung. Damals kamen hier, organisiert in Großbetrieben, neueste Techniken zum Einsatz", sagt Manuel Zeiler, Montanarchäologe des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL).

Die rund vier Hektar große Anlage war seit rund 100 Jahren auf keiner Karte mehr verzeichnet. Die Arbeiten mit den Baggern sind nicht einfach, denn immer wieder tauchen unbekannte Hohlräume auf, die abgesichert werden müssen, um ein Einstürzen in bis zu vier Meter Tiefe zu verhindern.

Europaweit einzigartig - trotzdem wird Gewerbegebiet gebaut

Überreste altes Eisenhüttenwerk in Witten

Neben zahlreichen Gewölben und Überresten technischer Anlagen wurden Gegenstände wie einen Hut und eine Bierflasche entdeckt. Die Arbeit in dem riesigen Labyrinth aus Gängen und Gewölben ist dabei nicht ganz ungefährlich. Schon jetzt habe der Wittener Fund einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Industriekultur im Ruhrgebiet geleistet, erklärt Michael Rind, Direktor der LWL-Archäologie für Westfalen. Derartige Stahlwerke seien europaweit so gut wie gar nicht mehr zu finden.

Das Gebiet war nach der Entdeckung der Stahlwerke vorübergehend für 6 Monate unter Denkmalschutz gestellt worden. Das Gelände soll dennoch bereits ab der kommenden Woche planiert und zugeschüttet werden soll. Die Archäologen hoffen nun, dass spätere Generationen die riesige Anlage vielleicht noch einmal erforschen können. Denn die Grundmauern der historischen Gebäude bleiben nach der Einebnung des Geländes für das Gewerbegebiet erhalten.

Stand: 21.03.2018, 11:53