Duisburger Arzt gibt aus Ärger über Krankenkasse auf

Duisburger Arzt gibt aus Ärger über Krankenkasse auf

  • Patient wurde nicht auf billigeres Medikament umgestellt
  • Krankenkasse fordert 43.000 Euro vom Arzt zurück
  • Duisburger Mediziner legt Beschwerde gegen Bescheid ein

"Das darf ich Ihnen nicht verschreiben." Ein Satz, den Patienten immer wieder von ihrem Arzt zu hören bekommen. Vor allem, wenn es um schwere Krankheiten und teure Medikamente geht.

Dieses Schicksal wollte Dr. Rüdiger Lang einem seiner Patienten ersparen, der an chronisch myeloischen Leukämie erkrankt ist. Schon ab 2016 bekam Karl-Heinz Fröse das Medikament Glivec. "Ich habe damals von den drei zugelassenen Medikamenten das preiswerteste gewählt", sagt Lang.

Nicht auf billieres Medikament umgestellt

Ein Jahr später aber gab es noch günstigere Nachahmermedikamente. Doch Karl-Heinz Fröse hatte Angst vor den neuen Präparaten. "Ich hatte mich dagegen ausgesprochen, weil ich die Befürchtung hatte, dass ich durch irgendwelche Nachahmer-Präparate andere Nebenwirkungen in meinem Körper feststelle", erzählte der Patient dem WDR am Donnerstag (09.01.2020). Damit stieß er bei seinem Hausarzt auf Verständnis.

Das Medikament Glivec in der Verpackung

Leukämie-Medikament Glivec

Auch Dr. Lang kamen Zweifel, ob eine Umstellung auf das andere Generika seinem Patienten guttäte. Er entschied sich zugunsten des 43.000-Euro-Medikamentes. Im Rezept wies er den Apotheker an, genau dieses Medikament auszugeben. Damit aber kam ein Rabattvertrag mit der Krankenkasse nicht zum Zug.

Krankenkasse kritisiert den Arzt

Ein Problem für die Krankenkasse pronova BKK, bei dem Karl-Heinz Fröse versichert ist. In einer schriftlichen Stellungnahme der Krankenkasse heißt es: "Der Vertragsarzt weiß unmittelbar bei der Behandlung, ob er einen medizinisch umstrittenen Arzneimitteleinsatz verordnet."

Dr. Lange hätte einfach einen Antrag auf Kostenübernahme stellen müssen, argumentiert die Krankenkasse weiter. Nach der Genehmigung hätte er darauf vertrauen können, nicht in Regress genommen zu werden.

Mediziner schließt Praxis

Doch der Arzt hat das versäumt. Jetzt soll er genau das zahlen, was das Originalmedikament gekostet hat und nicht nur die Differenz zum Günstigeren.

Das trifft den Mediziner so sehr, dass er seine Praxis nun schließt. "Ich bin wirklich zutiefst durch diesen Regressantrag und auch durch die Art, wie der Prüfungsausschuss den eins zu eins umgesetzt hat, seelisch getroffen."

Beschwerde gegen Prüfbescheid

Zudem sieht er für sich keine Möglichkeit mehr, im Sinne seiner Patienten zu entscheiden. Es ginge nur noch um einen möglichst billigen Preis für Medikamente. Gegen den Bescheid der Prüfungsstelle der Ärzte und Krankenkassen Nordrhein hat Rüdiger Lang Beschwerde eingelegt.

Stand: 11.01.2020, 08:00

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