Ruhrbistum: Keine Kündigung mehr wegen sexueller Orientierung oder Scheidung

Stand: 15.02.2022, 18:42 Uhr

Das Ruhrbistum hat seinen Beschäftigten zugesichert, dass niemand mehr arbeitsrechtliche Probleme oder eine Kündigung wegen seiner privaten oder sexuellen Orientierung befürchten muss.

Das gelte für homosexuelle Ehen, wiederverheiratete Geschiedene oder Partnerschaften ohne Trauschein, teilte das Bistum am Montag mit. Es veröffentlichte einen entsprechenden Brief, den Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck und der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer an die rund 3.800 Religionslehrer, Verwaltungs- und Erwachsenenbildungsmitarbeiter in seinem Bistum geschickt habe.

"Unsere Kirche hat hier menschliches Leid verursacht und Schuld auf sich geladen." Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck und Generalvikar Klaus Pfeffer im Brief an die Bistums-Mitarbeiter

Betroffene seien wegen der arbeitsrechtlichen Vorgaben für den kirchlichen Dienst teilweise zu "unwürdigen Lebensweisen" gezwungen gewesen, um Sanktionen zu vermeiden. "Unsere Kirche hat hier menschliches Leid verursacht und Schuld auf sich geladen", heißt es in dem Brief. Das Ruhrbistum verzichte schon seit längerer Zeit in seinem Gebiet darauf, die bestehenden arbeitsrechtlichen Vorgaben umzusetzen.

Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck

Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck

"Wenn zum Beispiel Menschen, die geschieden waren, sich wieder verheirateten, führte das zu Ängsten, weil sie glaubten, sie könnten dann aus dem Dienst entlassen werden - weil das früher auch vorgekommen ist", sagte Overbeck dem WDR. "Das gleiche galt auch für gleichgeschlechtliche Ehen und Partnerschaften. Hier haben wir gesagt: Das beenden wir." Auch queere und transgeschlechtliche Menschen sollen durch ein Outing künftig keine Kündigung fürchten müssen.

Druck auf andere Bistümer wächst

Der aktuelle Vorstoß aus Essen dürfte auch konservative Bistümer unter Druck setzen, zukünftig als Arbeitgeber toleranter zu sein als bisher. Andernfalls müssen sie mit Klagen rechnen, meint Theo Dierkes aus der Kirchenredaktion des WDR: "Sie müssen dann ganz klar aushalten, dass entlassene Arbeitnehmer vor das Arbeitsgericht ziehen - mit dem Verweis auf das andere, liberale Bistum und dann Recht bekommen."

Um ein entsprechendes Durcheinander zu vermeiden, verlangen Gerichte, dass die Kirche trotz ihres Sonderstatus einheitliche Regelungen trifft.

Appell an die Bischofskonferenz

Unter den Generalvikaren und Bischöfen in Deutschland zeichne sich bereits eine Mehrheit für eine entsprechende Reform des Arbeitsrechts ab. Elf Generalvikare der katholischen Kirche forderten in einem am Montag veröffentlichten Appell an den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Georg Bätzing, den sofortigen Verzicht auf arbeitsrechtliche Konsequenzen für Geschiedene und Homosexuelle. In dem offenen Brief sprachen sie sich dafür aus, die Neuformulierung des kirchlichen Arbeitsrechts bis zum Sommer abzuschließen.

Auch Bistum Aachen verzichtet auf Kündigungsdrohungen

Das Bistum Aachen verzichtet ab sofort auf Kündigungsdrohungen wegen der persönlichen Lebensführung von Mitarbeitern. Die sexuelle Orientierung und Identität dürfe keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen mehr nach sich ziehen. Das sagte der stellvertretende Generalvikar des Bistums, Rolf-Peter Cremer gegenüber dem WDR. Diese Regelung empfehle er auch allen katholischen Trägern von Einrichtungen und Organisationen. Aachens Bischof Helmut Dieser hatte sich zuvor in Interviews bereits in ähnlicher Weise geäußert.

Ende Januar hatten sich in einer beispiellosen Aktion unter dem Motto #OutInChurch 125 nicht heterosexuelle Priester und Kirchenmitarbeiter geoutet, die bis dahin aus Furcht vor Konsequenzen ihre sexuelle Identität verborgen hatten.

Keine Kündigung wegen sexueller Orientierung

WDR Studios NRW 14.02.2022 00:53 Min. Verfügbar bis 14.02.2027