NRW-Arbeitsminister Laumann verteidigt Aus für Produktionsschulen

NRW-Arbeitsminister Laumann verteidigt Aus für Produktionsschulen

  • Produktionsschulen werden zum September abgeschafft
  • Werkstattjahr soll sie ersetzen
  • Arbeitsminister Laumann kündigt Evaluierung an

Keine Ausbildung, kein Abschluss, kein Bock: Für schwer vermittelbare Jugendliche gab es bislang die Produktionsschulen. Jetzt streicht die Landesregierung das Programm.

Fast 2800 Jugendliche arbeiten aktuell in den Produktionsschulen in NRW. Viele sind Schulabbrecher und schwer vermittelbar auf dem normalen Arbeitsmarkt. Die Produktionsschulen versuchen, sie für eine Ausbildung fit zu machen, mit praktischer Arbeit an echten Aufträgen.

Spielhütten für Kitas, Fahrradständer für eine Schule

In Produktionsschulen werden Spielhütten für Kitas gebaut oder in der Kantine das Essen für die Kollegen gekocht. Jugendliche lernen so berufliche Fertigkeiten und nebenbei schulische Inhalte.

Vor allem aber halten die praxisnahen Aufträge die Motivation der Jugendlichen hoch, sagt Ulrich Weseke vom Jobcenter Hamm: "Die konkreten Aufträge sind aus meiner Sicht sehr wichtig, um erst mal die Anerkennung der geleisteten Arbeit zu bekommen."

Viele brechen Produktionsschule ab

Außerdem lernen viele Jugendliche, was es überhaupt heißt zu arbeiten, denn viele von ihnen sind auch mit Anfang 20 noch sehr unselbständig. Sozialarbeiter unterstützen die Produktionsschüler dabei, eigenständiger zu werden.

Landesarbeitsminister Karl-Josef Laumann hat trotzdem entschieden, die Produktionschulen zum September zu streichen: "Wo ich jetzt hier wieder ins Amt kam, habe ich festgestellt, dass mehr als zwei Drittel der Leute, die in die Produktionsschule gegangen sind, die Produktionsschule abgebrochen haben."

Kritik der Wohlfahrtsverbände

Stattdessen soll wieder das sogenannte Werkstattjahr eingeführt werden, also ein Angebot für nur ein Jahr. Außerdem richtet sich das neue Angebot an Jugendliche bis 19 Jahre und nicht wie bisher bis 25 Jahre. Die Wohlfahrtsverbände halten das für einen Fehler.

Arbeitsminister Laumann verspricht, das Werkstattjahr 2019 zu evaluieren und für die Älteren zu öffnen, sollten die Arbeitsagenturen nicht aus ihren Mitteln Alternativen finanzieren.

Stand: 14.05.2018, 17:15