Bauarbeiten gestartet: Neues Leben auf dem alten Zechengelände in Marl

Neues Leben auf Zeche Auguste Victoria in Marl

Bauarbeiten gestartet: Neues Leben auf dem alten Zechengelände in Marl

Von Olaf Biernat

Sie war die vorletzte Zeche im Ruhrgebiet, die geschlossen wurde - Auguste Victoria in Marl. Das war Ende 2015. Jetzt haben auf dem Gelände die Bauarbeiten für ein großes Gewerbegebiet mit 1.000 Arbeitsplätzen begonnen.

Es ist ein großer Hoffnungsschimmer für die Stadt Marl und eine der begehrtesten Flächen im gesamten Ruhrgebiet: das Gelände der ehemaligen Zeche Auguste Victoria mit einer Größe von über 100 Fußballfeldern. Da, wo heute Gras und Unkraut aus den Betonfugen wächst, sollen in ein paar Jahren neue Firmen die Arbeit aufnehmen.

Planungen noch im laufenden Zechenbetrieb gestartet

Seit mehr als sechs Jahren laufen die Planungen für "ruhr.gate", so heißt das Projekt. Marl soll also zum Eingangstor für das Ruhrgebiet werden. Noch im laufenden Zechenbetrieb waren die Stadtplaner über das Bergwerksgelände gelaufen. "Wir kamen uns anfangs vor wie Leichenfledderer", sagt Chef-Wirtschaftsförderer Manfred Gehrke.

Große Waldflächen müssen gerodet werden

Planungen für Auguste Victoria in Marl laufen

Die Verantwortlichen für ruhr.gate stellen die Pläne vor

Jetzt hat es endlich den Startschuss gegeben. Am Montag (10.01.2021) haben die ersten Arbeiten begonnen. Mehr als 80 Bäume müssen am Rande der Zufahrtstraße zum Zechengelände gefällt werden. Das dauert zirka zwei Wochen. Im zweiten Schritt im Frühjahr werden sogar 2,8 Hektar Waldflächen gerodet. Zum Ausgleich sind gleichgroße Waldflächen in der Nähe des Hafens vorgesehen.

Europaweites Interesse von Unternehmen

Mehr als 40 Unternehmen aus Deutschland und ganz Europa haben sich bereits bei der Stadt gemeldet. Darunter große Unternehmen, die ihre zentrale Warenverteilung ansiedeln wollen. Aber auch Unternehmen, die Module für die Produktion von Wasserstoff- und Elektromobilität herstellen wollen. Die Stadt Marl betont, dass es sich um vollwertige Arbeitsplätze und keine Niedriglohnbeschäftigung handeln soll.

Einige Bergbau-Relikte bleiben

Doch so ganz verschwindet der Bergbau nicht von dem Gelände. Die große Kohlenmischhalle soll erhalten bleiben, ob das Fördergerüst auch noch Platz findet, muss noch geklärt werden. Für Thomas Prinz, dem ehemaligen stellevertretenden Betriebsratsvorsitzenden der Zeche Auguste Victoria schlagen zwei Herzen in der Brust: "Wir sind froh, dass neue Arbeitsplätze kommen. Trotzdem würde ich mir wünschen, dass wir mit 4.500 Kumpel weiter unter Volldampf arbeiten würden", sagt er.

Imbiss auch weiterhin Treffpunkt für Bergleute

Auch heute treffen sich noch viele ehemalige Bergleute an einem zentralen Treffpunkt: dem Imbiss von Daniela Korte, der nur wenige hundert Meter von der Zeche entfernt ist. "Wir hatten befürchtet, dass wir den Laden dicht machen müssen", sagt die Betreiberin. Aber auch heute floriert ihr Geschäft. Sie hat die Renner der Bergwerks-Kantine übernommen, das sind Bratrollmöpse und Brühwürste. Und so treffen sich die Kumpel auf ein Schwätzchen in ihrem Imbiss.

Der Pott ohne Pütt – Wie geht es ohne Kohle weiter? Planet Wissen 30.11.2018 58:31 Min. UT Verfügbar bis 30.11.2023 WDR

Stand: 10.01.2022, 15:56