Anklage gegen Ex-Geschäftsführerin von Behindertenwerkstatt

Das Gebäude des Duisburger Landgerichts von außen

Anklage gegen Ex-Geschäftsführerin von Behindertenwerkstatt

  • Anklage wegen besonders schwerer Untreue
  • 560.000 Euro Schaden für Werkstatt
  • Bis zu zehn Jahre Haft möglich

Gegen die frühere Geschäftsführerin der Duisburger Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM), Roselyne Rogg, und gegen den ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Reinhold Spaniel ist Anklage wegen besonders schwerer Untreue erhoben worden, wie die Staatsanwaltschaft Duisburg am Donnerstag (02.07.2020) mitteilte.

WfbM: Etwa 560.000 Euro Schaden

Laut Staatsanwaltschaft habe Roselyne Rogg in zwei Fällen – 2013 und 2016 – unter Umgehung des Aufsichtsrats eine überhöhte Vergütung bekommen. Der gemeinnützigen Werkstatt für Menschen mit Behinderung sei dadurch ein Schaden von fast 560.000 Euro entstanden, so die Staatsanwaltschaft.

Die Angeklagten vereinbarten des Weiteren im Sommer 2013 zunächst eine Erhöhung des Jahresgehalts von 120.000 auf 150.000 Euro. Die private Altersvorsorge der ehemaligen Geschäftsführerin wurde vertraglich angehoben auf 80.000 Euro jährlich – von zuvor 30.000 Euro.

Aufsichtrat "bewusst umgangen"

Im Juni 2016 sei durch die Angeklagten für Roselyne Rogg dann ein Jahresgehalt von 200.000 Euro Brutto vereinbart worden. Die private Altersversorgung der Angeklagten erhöhte sich auf 100.000 Euro pro Jahr. Über den gesamten Zeitraum hinweg sei es zudem bei einem vereinbarten zusätzlichen Plus von 15 Prozent des Jahresgehalts "bei Erfüllung der Zielvereinbarung" geblieben.

Den Angeklagten sei bewusst gewesen, dass die Vergütung unangemessen hoch war. Daher hätten sie den Aufsichtsrat der Gesellschaft beim Abschluss der entsprechenden Geschäftsführerverträge "bewusst umgangen". Der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Reinhold Spaniel erklärte am Montag (06.07.2020) auf WDR-Anfrage durch seine Anwälte: Das Gehalt der Geschäftsführerin sei angemessen gewesen, das hätten Wirtschaftsprüfer bestätigt.

Außerdem sollen Gesellschaftsvertreter sowie Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link Kenntnis vom Gehalt der Geschäftsführerin gehabt haben. Link allerdings bestreitet das. Laut Stadt Duisburg habe es derartige Absprachen nicht gegeben. Sie fordert Teile des Geldes zurück, insgesamt 760.000 Euro. Spaniel hatte seine Position im Mai 2012 übernommen, gut ein Jahr später beschloss der Aufsichtsrat die Verlängerung des Vertragsverhältnisses mit der Geschäftsführerin um weitere fünf Jahre.

Bis zu zehn Jahre Haft möglich

Im Falle einer Verurteilung drohen den Angeklagten Freiheitsstrafen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Das Duisburger Amtsgericht prüft laut Staatsanwaltschaft derzeit die erhobenen Vorwürfe und entscheide dann, ob es zu einer Hauptverhandlung kommt.

Stand: 06.07.2020, 12:58