Schwimmanfänger im Ruhrgebiet bleiben auf dem Trockenen

Das trockene Schwimmbecken des Vereins Blau-Weiß Bochum

Schwimmanfänger im Ruhrgebiet bleiben auf dem Trockenen

Von Sebastian Tischkov

Ungefähr 80 Prozent weniger Schwimmabzeichen gab es 2020 – das schätzt der Schwimmverband NRW. Auch ein Bochumer Schwimmtrainer beobachtet die dramatische Entwicklung.

Alles ist dicht – das Bad des Schwimmvereins Blau-Weiß Bochum 1896 auch. Bestenfalls würden aktuell Kinder und Jugendliche im Becken sein, die Schwimmen lernen. Jetzt macht sich dort das Herbstlaub vergangener Tage breit.

Der Lockdown hat sich auch bei den Schwimmangeboten und Vereinen bemerkbar gemacht. Auch hier gilt: Bis zum 14. Februar ist Stille. Mindestens. Der Schwimmverband NRW warnt davor, dass Kinder, die aktuell im besten Schwimmlernalter sind, längerfristig abgehängt werden. Dabei war die Situation auch vor Corona schon schlecht.

Wie schlimm steht es wirklich um Schwimmanfänger?

Stephan Herzog steht vor dem Bad des S.V. Blau Weiß Bochum.

Stephan Herzog

"Tatsächlich sieht es nicht gut aus. Ich würde sogar fast sagen: Es sieht sehr schlimm aus", sagt Stephan Herzog. Er ist der Schwimmschulleiter des Bochumer Schwimmvereins und beteuert vor allem, dass es schon seit langer Zeit an Personal und Becken mangelt. Die Wartelisten sind lang, der Sanierungsstau bei vielen alten Bädern hoch.

Und dann fällt seit März auch noch der Schulsport weg, der immerhin einige Grundlagen des Schwimmens näher bringen könnte. "Die Kinder werden älter, die bleiben nicht stehen, so wie der Rest des Lebens im Moment teilweise stehen bleibt. Und dementsprechend bleibt auch vieles liegen, was die Schwimmausbildung bei den jüngsten angeht", merkt der 34-Jährige an.

Trotzdem strahlt der Bochumer noch Zuversicht aus: "Wir sollten uns nicht auf gewissen Dingen ausruhen und sagen: Jetzt ist Corona, jetzt können wir eh nichts machen. Genau jetzt ist die Zeit, gewisse Abläufe aufzubrechen und neu zu denken".

Abläufe aufbrechen

In der Zukunft sei es einfach wichtig, alle an einen Tisch zu bringen – bis hin zur Kommunalpolitik: "Wenn an den Wochenenden die Schwimmbäder für Vereine geschlossen werden, kann kein Schwimmangebot gemacht werden. Da müssen wir ran". Auch eine Unterstützung des Schwimmsports durch professionelle Vereine kann sich der Trainer vorstellen.

Nicht nur Corona hat Schuld

Blau-Weiß konnte immerhin zwischen den beiden Lockdowns einige Kurse für Kinder anbieten, vor allem auch, weil das vereinseigene Bad schnell geöffnet wurde. Aber auch Herzog sagt: Die 80 Prozent gehen in die richtige Richtung,

Eine Öffnung der Bäder im Frühjahr, zumindest für Vereine, würde der Schwimmtrainer begrüßen: "Es gibt auch jetzt im Hochleistungssport noch Angebote, wo auch Sportlerinnen im Wasser sind. Und auch dort gibt es wenige Corona-Fälle. Das zeigt einfach, dass der organisierte Sport in der Lage ist, das aufzufangen und dass das gut funktionieren kann."

"Wir sind jederzeit vorbereitet. Sobald die Kommunen das Go geben, sind wir sofort dabei. Unsere Kursleiter stehen in den Startlöchern. Und die Kinder, das weiß ich, sind heiß. Die wollen wieder ins Wasser", beteuert Herzog.

Über 1000 Kinder werden beim Verein in gewöhnlichen Jahren ausgebildet. Wie es in 2021 aussieht? Auf absehbare Zeit erstmal nicht besser.

Stand: 22.01.2021, 19:06