Nach der Silvester-Randale: Ortsbesuch in Altenessen

Eine Bushaltestelle mit eingeschlagener Plakatvitrine.

Nach der Silvester-Randale: Ortsbesuch in Altenessen

Von Sebastian Tischkov

Nach der Silvester-Randale steht der Stadtteil im Essener Norden in den Schlagzeilen. Ist es dort immer so heftig? Die Anwohner sind gespalten - ein Besuch vor Ort.

11 Uhr vormittags – trotz Lockdowns und nasskalten Wetters sind einige Leute in Altenessen unterwegs. An die Silvester-Randale erinnern nur noch zwei kaputte Werbetafeln am Rande des Altenessener Marktes. Heute läuft hier alles eigentlich ganz gewöhnlich ab. Ein Stadtteil wie so viele im Ruhrgebiet.

Man kennt sich in Altenessen

Auch beim Bäcker ums Eck ist einiges los. Zwei Verkäuferinnen kommen aus Altenessen – eine sagt, sie würde nirgendwo anders hinziehen wollen. Man kenne sich hier im Stadtteil, das habe Vorteile. Die Vorfälle an Silvester? "Das hätte doch genau so auch in Altendorf passieren können", winkt die andere Verkäuferin ab.

Auch Frank Wolf ist heute Vormittag unterwegs: Der Altenessener sagt, es seien nur einige wenige, die den Stadtteil in Verruf bringen – wie zum Beispiel die Randalierer an Silvester: "Das sind natürlich Sachen, die machen den Stadtteil nicht attraktiver, aber es sind nicht immer die, die hier wohnen, die hier Ärger machen".

Die alt-eingesessene Bürgerschaft komme gut miteinander klar, trotz unterschiedlicher Herkünfte. Unsicher fühlt er sich hier nicht, wünscht sich aber deutlichere Konsequenzen für Straftäter.

Möglichkeiten zum Ausgehen fehlen

Barbara Geiling steht in ihrem Blumenladen in Essen-Altenessen.

Barbara Geiling in ihrem Blumenladen in Essen Altenessen

Nur einige Meter weiter befindet sich der Blumenladen von Babsy. Altenessener Straße 441. Seit sieben Jahren hat die gelernte Floristin Barbara Geiling an dieser Adresse ihren eigenen Laden. Hier in Altenessen ist sie geboren und aufgewachsen, "und Babsy gehört nicht nach Rüttenscheid und auch nicht nach Bredeney". Dass sie hier gerne lebt, kauft man ihr sofort ab.

Auch Geiling findet, die Menschen und das Grüne machen den Stadtteil so besonders – das könne man in Essen sonst nicht so finden. Ein paar Lokale zum Flanieren und ein paar kleine Fachgeschäfte, die fehlen der Floristin in Altenessen allerdings: "Man muss sich einfach mal trauen". Die Randale an Silvester könne man nicht einfach dem Stadtteil zuordnen, sagt die Geschäftsfrau.

Müll als Problem

Thomas Sterner ist ebenfalls Altenessener Bürger – und schätzt zwar die Grünflächen und vielen Radwege hier, sieht aber vor allem die Vermüllung kritisch. Zigaretten, Brötchen, Pommesschalen: Das alles würde man hier finden, teilweise werde Müll aus Fenstern geworfen.

Thomas Sterner steht auf dem Altenessener Markt

Thomas Sterner auf dem Altenessener Markt

Sterner wünscht sich von der Stadt eine stärkere Umsetzung des Aktionsplans Sauberkeit der Stadt Essen, der unter anderem mehr Mülleimer, höhere Reinigungsintervalle und höhere Bußgelder vorsieht.

Auch der Migrationsanteil sei ein Problem: "So viele Sozialarbeiter gibt es in ganz NRW nicht, wie wir in Altenessen gebrauchen könnten", so Sterner.*

Was bleibt am Ende also in Altenessen? Viele kommen "von hier wech". Sie sind hier aufgewachsen und prägen den Stadtteil, das ist noch immer zu merken. Die Randale, sie scheint hier nicht alltäglich.

* In Altenessen-Nord wohnen laut Stadt Essen 20,4 Prozent Bürgerinnen und Bürger ohne deutsche Staatsbürgerschaft, in Altenessen-Süd 28 Prozent. Auf ganz Essen gerechnet beträgt der Anteil derer 17,3 Prozent.

Stand: 04.01.2021, 18:30