In welchem politischen Umfeld bewegt sich AfD-Mann Helferich?

In welchem politischen Umfeld bewegt sich AfD-Mann Helferich?

Von Christof Voigt und David Peters

Der Dortmunder AfD-Politiker Matthias Helferich will in den Bundestag. Jetzt werden private Chats von Helferich öffentlich. In einem zitiert er sogar Adolf Hitler.

Wie radikal oder gar extrem rechts ist der Dortmunder Bundestagskandidat der AfD, Matthias Helferich? Er selbst sagt: "gar nicht". Private Chatauszüge, die der WDR teilweise veröffentlicht hat, lassen etwas anderes vermuten. Dort zitiert er Adolf Hitler oder nennt sich "das freundliche Gesicht des NS", also des Nationalsozialismus. Und auch seine Kontakte innerhalb der AfD haben es in sich.

Helferich und die Junge Alternative für Deutschland

Matthias Helferich

Matthias Helferich ist bei der kommenden Bundestagswahl der Spitzenkandidat der "Jungen Alternative für Deutschland" in NRW.

Matthias Helferich ist bei der kommenden Bundestagswahl der Spitzenkandidat der "Jungen Alternative für Deutschland" (JA) in NRW. Der 32-Jährige ist nach eigenen Angaben selbst noch Mitglied dort und hat es mit Unterstützung der AfD-Nachwuchsorganisation auf den aussichtsreichen Listenplatz 7 der AfD-Landesliste für die Bundestagswahl geschafft.

Als enger Vertrauter von Helferich gilt Nils Hartwig, Mitglied im NRW-Landesvorstand und jüngst auch in den Bundesvorstand der JA gewählt. Hartwig kommt aus der Identitären Bewegung (IB), die bewertet der Verfassungsschutz als rechtsextremistisch. Hartwig ist als deren Pressesprecher aufgetreten und hat an Aktionen der IB teilgenommen. Etwa bei einer Blockade der CDU-Zentrale 2016 in Berlin. Der Dortmunder Bundestagskandidat Helferich und der jetzige JA-Mann Hartwig treten immer wieder gemeinsam auf, Anfang Juli am Dortmunder Phoenixsee oder am 22. Juli als Helfer im vom Hochwasser zerstörten Hohenlimburg.

Helferich: "Es gibt in der JA keinen Extremismus."

Der Dortmunder AfD-Ratsherr Matthias Helferich bei einer Veranstaltung am Dortmunder Rathaus.

Der Dortmunder AfD-Ratsherr Matthias Helferich bei einer Veranstaltung am Dortmunder Rathaus.

Nach dieser engen Zusammenarbeit mit der JA und Hartwig gefragt, sagt Helferich, er hält die Beobachtung der JA durch den Verfassungsschutz grundsätzlich für falsch. Radikale Kräfte innerhalb der JA sehe er nicht. Zu einzelnen Personen möchte er keine Stellung abgeben, er bewerte nur deren politische Arbeit. Auch Hartwigs Engagement bei der rechtsextremistischen IB kommentiert Helferich nicht, es würde bei der JA keine Zusammenarbeit mit der IB geben.

Junge Alternative als Sammelbecken ehemaliger Rechtsextremisten?

Der Dortmunder AfD-Ratsherr Matthias Helferich (3.v.l.) hält bei einer Veranstaltung am Phoenixsee gemeinsam mit Mitgliedern der Jungen Alternative für Deutschland ein Plakat hoch.

Der Dortmunder AfD-Ratsherr Matthias Helferich (3.v.l.) bei einer Veranstaltung am Phoenixsee gemeinsam mit Mitgliedern der Jungen Alternative für Deutschland.

Das sieht eine Recherchegruppe zur Identitären Bewegung ganz anders. Viele ehemalige IB‘ler seien mittlerweile in die JA gewechselt. Vor allem nach der Einstufung der IB durch den Verfassungsschutz als rechtsextremistisch. Lisa Maier, Sprecherin der Recherchegruppe, sagt über Helferich und Hartwig sogar, die beiden hätten in den vergangenen Monaten als Türöffner für ehemalige Mitglieder der IB in die Nachwuchsorganisation der AfD fungiert. Und auch für Leroy Böthel von der mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Arnsberg ist das in den letzten Monaten immer deutlicher geworden.

Die JA sei nicht nur in NRW, sondern bundesweit "eine der radikalsten Kräfte innerhalb der AfD".

Das sagt Rechtsextremismus-Berater Leroy Böthel dazu

WDR: Wo sehen Sie Matthias Helferich innerhalb der AfD?

Böthel: "Ich glaube, man muss grundsätzlich sagen, dass man in der AfD nichts mehr werden kann, ohne sich völkisch-nationalistisch zu positionieren und glaube das gilt auch für Herrn Helferich. Der sich da noch mal unterscheidet, indem er sehr ungeniert mit Personen aus der Jungen Alternative umgibt, die wiederum auch vielfältige Kontakte in die extreme Rechte haben. Und dass er natürlich, dafür steht er ja jetzt auch in der Öffentlichkeit, da gegenüber Parteikollegen überhaupt keine Zurückhaltung übt. Er steht da schon sinnbildlich für diese Partei. Sicher sind die Aussagen, die er da getätigt hat, sehr problematisch und im rechten Spektrum zu verorten, aber das würde ich auch für die gesamte AfD so sehen."

WDR: Wie bewerten Sie die Nachwuchsorganisation Junge Alternative innerhalb der AfD?

Böthel: "Die Junge Alternative ist nicht nur in NRW sondern bundesweit eine der radikalsten Kräfte innerhalb der AfD, glaube ich. Helferich war selbst auch Funktionär der Jungen Alternative im Bezirk Arnsberg und ist dort bestens vernetzt und bestens bekannt und hat diesen Jugendverband in NRW auch mit aufgebaut und stark geprägt. Deswegen überrascht es mich in keiner Weise, dass er aufgrund seines Netzwerks, aber auch aufgrund der Inhalte, die er vertritt, als Kandidat der JA vorgeschlagen wurde."

WDR: Was sind das für Leute in der Jungen Alternative?

Böthel: "Es sind Personen - das ist in den letzten Monaten noch einmal deutlicher geworden - die teilweise mit der rechtsextremen Identitären Bewegung in Verbindung standen oder dort auch Mitglied waren oder auch in anderen rechtsextremen Organisationen, also rechtsradikale Burschenschaften, aber auch Verbindungen haben bis ins militante Spektrum. Die JA ist ein Teil der Partei, der ganz offen Kontakte mit anderen Akteuren der extremen Rechten pflegt."

WDR: Wie bewerten Sie die Chataussagen, in denen Matthias Helferich Adolf Hitler zitiert oder sich selbst "das freundliche Gesicht des NS“ nennt?

Böthel: "Das ist nicht nur Provokation, solche Äußerungen sind innerhalb der AfD nicht ungewöhnlich. Die Verharmlosung oder auch Relativierung des Nationalsozialismus, einhergehend mit einer Verhöhnung seiner Opfer, ist in der AfD durchaus konsensfähig. Ja, das wird mitunter nicht so stark ausgedrückt, wie Herr Helferich das nun offenkundig auch sehr ungeschickt getan hat, aber ich glaube, dass es auch ein inhaltlicher Kern dieser Partei ist, Nationalsozialismus zu verharmlosen und zu relativieren."

Leroy Böthel arbeitet bei der der mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Arnsberg.

Helferich seit Wochen umstritten

In Dortmund ist Helferich mittlerweile politisch isoliert. Alle anderen Parteien, die Bundestagskandidaten*innen in den Wahlkampf schicken, boykottieren den AfD-Mann jetzt. Mittlerweile sind deswegen schon mehrere geplante Podiumsdiskussionen abgesagt worden. Helferich findet das schade und spricht von "Feigheit vor dem Feind".

Selbst seine eigene Partei hat jetzt schon über einen Ausschluss beraten. Da ging es um die Äußerungen Helferichs in einem Chat. Unter anderem hat der Dortmunder dort Adolf Hitler zitiert. Helferich schrieb an ein anderes AfD-Mitglied: "Der Führer schreibt: Jahrelang mussten wir den Frieden predigen, um den Krieg vorzubereiten." Diese Chats seien eine Torheit gewesen sagt Helferich heute und darf in der AfD bleiben.

Stand: 13.08.2021, 08:24