Projekt: Ärzte verschreiben weniger Antibiotika

Verschiedene Blisterverpackungen mit Antibiotika

Projekt: Ärzte verschreiben weniger Antibiotika

Von Olaf Biernat

  • Zweijähriges Modellprojekt für Ärzte
  • Antibiotika-Schnelltest für Patienten
  • Rückgang um 20 Prozent
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Sie haben einer übermäßigen Behandlung mit Antibiotika den Kampf angesagt: Fast 50 Ärzte in Duisburg und Essen haben vor zwei Jahren einen Vertrag mit der Kassenärztlichen Vereinigung geschlossen.

Ziel war es, besser zu prüfen, ob Patienten mit Harnwegsinfektionen oder mit Entzündungen im Mund-Rachen-Raum überhaupt Antibiotika nehmen müssen, um ihre Beschwerden zu lindern.

Schnelltest liefert gute Ergebnisse

Jetzt ziehen sie eine positive Bilanz. Die Ärzte haben tatsächlich 20 Prozent weniger Antibiotika verschrieben. Möglich macht das ein Schnelltest. Innerhalb von wenigen Minuten kann man feststellen, ob es sich um virale oder bakterielle Entzündungen handelt. Antibiotika wirken nur bei Bakterien.

Unter anderem wurden bei Patienten mit Scharlach und Mandelentzündungen weniger Antibiotika verschrieben. Bei Patienten mit Harnwegsinfekten muss ein Antibiogramm gemacht werden. Diese Ergebnisse lassen allerdings zwei Tage auf sich warten. Aber das Warten lohnt sich, bei ihnen wurden 17 Prozent weniger Antibiotika verschrieben.

Ärzte hoffen auf Gesetzgeber

Die Kassenärztliche Vereinigung und die Krankenkasse BKK Nordwest als Organisatoren sprechen von einem Erfolg. Sie wollen den Schnelltest, der von den Kassen bezahlt wird, für jeden Arzt zur Verpflichtung machen.

Dafür sollen Gespräche mit dem Gesetzgeber geführt werden. Denn je häufiger Antibiotika verordnet werden, desto eher werden Bakterien resistent dagegen und bei ernsthaften Erkrankungen wirkt dieses nicht mehr.

Antibiotika mit schlimmen Nebenwirkungen Servicezeit 17.10.2019 06:59 Min. UT Verfügbar bis 17.10.2020 WDR Von Patricia Metz

Wo Antibiotikaresistenzen entstehen können

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Stand: 23.10.2019, 16:00

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9 Kommentare

  • 9 I.B. 30.10.2019, 21:11 Uhr

    Sie berichten heute im"Markt"über die Nebenwirkungen der Fluorchinolone, aber nur die orthopädischen. Leider gibt es auch die psychischen Folgen, neuerdings steht auch im Beipackzettel: "bis zum vollendeten Suizid"!! I.B.

  • 8 Philippe Bergmann 23.10.2019, 20:29 Uhr

    Ich bin Kinder- und Jugendarzt im Oberbergischen. Ich verwende den CRP Schnelltest schon seit 1999. Vermeide so unnötige Antibiotika. Das alles ohne spezielle Förderung. Wieso brauchen andere bis jetzt! Ich möchte auch gefördert werden.

  • 7 Kevin Ortlieb 23.10.2019, 20:11 Uhr

    Leider ist das Ganze völliger Blödsinn. Der Test ist völlig unspezifisch und ist auch bei vielen viralen Infekten positiv. Es werden nur weniger Antibiotika verschrieben, weil zuvor noch mehr Antibiotika unsachgemäß verordnet wurden. Diese Testreihe ist ein perfektes Beispiel für das Versagen einer ganzen Berufsgruppe, nämlich meiner eigenen. Und für die Interessen derer, die den Test verkaufen wollen.

    • Philippe Bergmann 23.10.2019, 20:33 Uhr

      Nach meiner langjährigen Erfahrung ist der Test weitgehend zuverlässig.

  • 6 Manni 23.10.2019, 14:45 Uhr

    Und darüber hinaus: Überall, wo es wirklich nicht notwendig ist, sollte man AntiB einsparen. Aber als Mediziner sagen ich dem "nicht" einen Kampf an, denn wieso soll in der Humanmedizin (hoffentlich nicht nur zu Statistikzwecken) weniger verabreicht werden, wenn es durchaus notwenidg wäre? Und inwiefern wird jetzt eigentlich weniger AniB in der Tiermast verabreicht? MIt den Schnelltests(wenn die effektiv sind) wäre den Leuten ja schon geholfen. Ich denke die Fehlrquote liegt da bei Null

  • 5 Manni 23.10.2019, 14:36 Uhr

    Wieso wird das pauschalisiert gut gesprochen? Ich hatte eine starke Zahnentzündung. Die Zahnärztin hat mich 3 Tage damit rumlaufen lassen (ohne den Zahn zu öffnen, weil er "von außen" gut aussah), so dass ich zum Notdienst musste. Es war so unerträglich, dass zum starken Zahnschmerz auch ein heftiger Intervallschmerz im Kiefer hinzukam (stechend wie ein Nagel den man in den Kiefer reinhaut). Mir ging es verdammt schlecht, mittlerweile auch körperlich. Der Notdienst hat ENDLICH ein Röntgen gemacht, Fazit: Zahn ist abgestorben, Zahn ist voller Eiter gewesen und das Gewebe am Zahn entzündet. Aber ein AntiB hat er nicht verschrieben! In der Nacht hatte ich starken Schüttelfrost, Fieber, Schweißausbrüche und konnte kaum sitzen, weil ich solche Kopfschmerzen hatte. Die Zahnärztin, die von Anfang alles falsch gemacht hat (und sich heute noch wehrt den Zahn zu ziehen), hat trotz der Beschwerden KEIN AntiB verschrieben. Erst der Hausarzt hat die Lage direkt nach 2 Minuten kapiert!

    • Manni 23.10.2019, 14:39 Uhr

      Wäre ich nicht zum Hausarzt gegangen, hätte ich kein AntiB bekommen. Und mir ging es erst mit dem AntiB besser. Der Hausarzt selbst hat in meinen Mund geschaut als ich ihm sagte, dass ich starke Kopfschmerzen und Schüttelfrost habe. Ich hatte da nicht mal gesagt, dass ich Zahnschmerzen habe. Er fragte dann aber "Was machen die denn da, beim Zahnarzt". Jeder Einzelfall ist ein Fall, den man einbeziehen sollte! Und ob weniger AntiB jetzt gut ist, dass kann man so pauschal gar nicht sagen, außer man weiß zu 100% (ohne Ausnahme) dass es Viren sind. Aber so einen Test hab ich NOCH NIE gesehen. Und schon gar nicht in Zahnarztpraxen. Wobei man eine Palette an Bakterien testen müsste

  • 4 Atze 23.10.2019, 14:05 Uhr

    Mit meiner chronischen Bronchities erhalte ich von meinem Hausarzt niemals Antibiotika. Bisher haben Tee, Wasser, Ruhe und schleimlösende Mittel stets geholfen. Da geht es mir 2- 3 Tage echt mies, die Knie wackeln aber danach komme ich wieder in die Spur. Antibiotka sollten nur mit viel Bedenken und nur bei absoluter Notwendigkeit verabreicht werden, sie haben nicht nur positive Wirkungen.

  • 3 Blasenentzündung 23.10.2019, 10:55 Uhr

    Einen Test der 2 Tage bis zur Auswertung dauert zur Verpflichtung zu machen, bis ein Antibiotikum verschrieben wird, ist bei einer akuten Blasenentzündung unterlassene Hilfeleistung. Bei mir ist es schon mehrere Male vorgekommen, dass ich innerhalb von wenigen Stunden ab Auftreten der Beschwerden Blut uriniert habe, trotz der üblichen Hausmittel wie viel trinken oder pflanzliche Mittel. Von den damit einhergehenden Schmerzen will ich gar nicht anfangen. Unter Gabe von Antibiotika verbessern sich die Beschwerden in der Regel bereits nach der ersten Tablette. Dass keine Wirkung eintritt, habe ich persönlich noch nicht erlebt. Auf so eine Idee 2 Tage abzuwarten, kann nur jemand kommen, der noch nie eine schlimme Blasenentzündung hatte. In der Zeit hat man unter Umständen bereits eine Nierenbeckenentzündung, wenn nicht behandelt wird.

    • Ja 23.10.2019, 11:18 Uhr

      Ich stimme Ihnen zu. Ich versuche sowieso immer erst die Hausmittel anzuwenden bevor ich zum Arzt gehe. Ich hatte erst kürzlich wieder eine Blasenentzündung und musste zum Arzt gehen, weil es nicht mehr ging. Am vorangegangenen Freitag fing es an. Ich habe viel getrunken und das Bett gehütet und die Symptome verschwanden. Aber in der Nacht von Sonntag auf Montag wurde ich durch die Schmerzen geweckt und hatte Blut im Urin. Zwei weitere Tage Wartezeit wären eine Qual gewesen.

    • Lothec 23.10.2019, 13:42 Uhr

      Es geht nicht um einen Test, der Tage dauert, weil er in ein Labor geschickt werden muß. Im Text ist deutlich die Rede von einem Schnelltest, welcher in wenigen Minuten sofort in der Praxis ausgewertet wird. Diese Tests sind einfach in der Anwendung, preiswert, schnell und genau. Somit steht einer Verpflichtung der Ärzte, diese anzuwenden, um eine Fehlverordnung von Antibiotika endlich einzudämmen, nichts im Wege!

    • Ja 23.10.2019, 18:22 Uhr

      @Lothec Lesen Sie den Text am besten bis zum Ende. Dort steht: “Bei Patienten mit Harnwegsinfekten muss ein Antibiogramm gemacht werden. Diese Ergebnisse lassen allerdings zwei Tage auf sich warten.“

  • 2 gelser 23.10.2019, 10:28 Uhr

    Ich musste mich gegen die Verschreibungswut meiner Hausärztin über Jahrzehnte wehren. Bei jedem Husten wollte sie mir sicherheitshalber ein Antibiotikum verschreiben. Selbst bei einer fetten bronchitis habe ich keins gebraucht. hausmittel reichten stets, mit dem Rauchen aufzuhören half ungemein. Ich vvertraue auf meine Selbstheilungskräfte, die ich bewusst stärke, und meine Selbstwahrnehmung und mein Körpergefühl. Gut, dass es Antibiotika gibt, aber bei jedem Hüsterchen brauch ich sie nicht. Umso besser dann bei wirklichen Notfällen und Erkrankungen.

  • 1 TheWanse 23.10.2019, 10:08 Uhr

    Nicht die Menschen werden resitent gegen Antibiotika, sondern die zu bekämpfenden Baktieren ;)

    • WDR 23.10.2019, 10:17 Uhr

      Vielen Dank. Wir haben das korrigiert :-)

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