Aerosol-Studie zur Ansteckungsgefahr in Konzerthäusern

Aerosol-Studie zur Ansteckungsgefahr in Konzerthäusern

Die Hälfte der Sitzplätze in einem Konzerthaus kann bei bestimmten Voraussetzungen nahezu ohne Corona-Ansteckungsgefahr belegt werden. Das hat eine Studie des Fraunhofer Instituts im Dortmunder Konzerthaus ergeben.

Die Hälfte der Sitzplätze im Konzerthaus oder Theater kann nach Empfehlung der Studie nahezu ohne Ansteckungsgefahr belegt werden: Mit Maske und ausreichender Frischluftzufuhr über die vorhandene Belüftungsanlage. Außerdem empfehlen die Wissenschaftler eine lockere Sitzordnung ohne Vordermann. Dorthin breiten sich die Aerosole am ehesten aus.

Für Konzerthaus-Intendant Raphael von Hoensbroech bestätigt sich damit, dass Konzerthäuser und Theater keine Infektionsorte sind: "Das beste Hilfsprogramm, das man den Künstlerinnen und Künstlern bieten kann, ist, dass man Konzerthäuser und Theater wieder aufmacht. Weil die dann ein Einkommen und eine Lebensgrundlage haben", sagt von Hoensbroech. "Deshalb ist es mir auch so wichtig, dass wir Grundlagen schaffen, um diese Öffnung zu ermöglichen."

Messungen im Saal und Foyer

Zum ersten Mal seit Beginn der Corona-Pandemie hat eine Studie die Ansteckungsgefahr für Besucher von Konzerthäusern und Theatern untersucht. Dazu wurden bereits im November 2020 umfangreiche Tests im Saal und Foyer des Dortmunder Konzerthauses durchgeführt.

Corona und Wissenschaft - Aerosol-Forschung in Dortmund

WDR 3 Mosaik 03.11.2020 07:15 Min. Verfügbar bis 03.11.2021 WDR 3


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Wissenschaftler des Fraunhofer Instituts hatten dazu die Aerosole gemessen. Die wurden ähnlich dem menschlichen Atem von einer Dummy-Puppe im Zuschauersaal ausgestoßen. Zusätzlich hatten sich auch Mitarbeiter des Konzerthauses und die Dortmunder Philharmoniker als Studienteilnehmer bereit erklärt. Sie mimten das Publikum im Saal.

Die Messdaten zeigten den Wissenschaftlern, dass es auch bei dicht sitzendem Publikum mit Mund-Nasenschutz kaum eine Ansteckungsgefahr durch Aerosole gibt. Die verbrauchte Luft müsse dazu aber wie in Dortmund nach oben abgesaugt werden, so die Studie.

Übertragbar auf andere Konzerthäuser und Theater

Die Ergebnisse bieten nach Einschätzung des Umweltbundesamtes und des NRW Wissenschaftsministeriums wichtige Grundlagen für eine Wiedereröffnung von Kulturstättten nach dem Lockdown. "Die Ergebnisse aus Dortmund lassen sich sehr gut auch auf andere Konzert- und Theatersääle bundesweit übertragen", erklärt Prof. Heinz-Jörn Moriske, Leiter der Kommission Innenraumlufthygiene im Umweltbundesamt. "Voraussetzung ist eine ähnliche Größe und Belüftungsanlage wie in Dortmund".

Stand: 11.01.2021, 19:33