Duisburger Sozialdienstleister ZOF unter Druck

Zof-Logo auf dem Gebäude

Duisburger Sozialdienstleister ZOF unter Druck

Die Bezirksregierung Arnsberg hat den Duisburger Sozialdienstleister ZOF von einer Bewerbungsrunde zum Betreiben bestimmter Zentraler Flüchtlingsunterkünfte des Landes ausgeschlossen. Der Grund: ZOF sei nicht "geeignet".

Der Verein wehrt sich juristisch gegen den Ausschluss und dementiert die Vorwürfe der Bezirksregierung. Auslöser ist ein umfassendes Ermittlungsverfahren gegen den ehemaligen Vorsitzenden und zehn weitere Personen aus dem Umfeld von ZOF.

Laut Staatsanwaltschaft geht es um Untreue und das Vorenthalten von Sozialversicherungsbeiträgen. Laut Staatsanwaltschaft Duisburg sei der Hauptbeschuldigte "weitgehend geständig". Die Ermittler sprechen von einem Schaden von über zwei Millionen Euro.

Vorwürfe der Bezirksregierung Arnsberg

Dem WDR liegt exklusiv ein Schreiben der Bezirksregierung vor. In dem sechs Seiten langen Brief werden die Gründe für den Ausschluss um ein Bewerbungsverfahren zum Betreiben von bestimmten Zentralen Flüchtlingsunterkünften des Landes NRW genannt: Der Verein sei noch gut 1,7 Millionen Euro Steuern schuldig.

Der aktuelle ehrenamtliche Vorsitzende des Vereins Wilfried Groos ist gleichzeitig als Steuerberater für den Verein tätig. Er bestätigt, dass eine Steuerschuld von 1,4 Millionen Euro strittig sei. Die Summe sei durch die zeitweilige Aberkennung der Gemeinnützigkeit entstanden.

Schuld daran sei der ehemalige Vereinsvorsitzende, der bei der Staatsanwaltschaft als Hauptbeschuldigter gilt. Zahlreiche weitere Vorwürfe an den Verein durch die Bezirksregierung weist der Verein zurück und wehrt sich juristisch gegen den Ausschluss vom Bewerbungsverfahren.

Vorwürfe gegen aktuellen Vorsitzenden

Der Vorsitzende des Vereins versieht seinen Job ehrenamtlich. Mitarbeiter von ZOF werfen ihm nun aber vor, hohe Summen als Berater des Vereins an dessen Steuerberatungsfirma zu kassieren.

Dem WDR liegen Dokumente vor, aus denen hervorgeht, dass monatlich über 10.000 Euro an die Firma des Vorsitzenden geflossen sind. Der bestätigt, dass Honorare im "angemessenen Umfang" fließen würden. Zahlungen über 10.000 Euro seien bei dem Volumen wie bei ZOF "durchaus üblich".

Aufforderung zum Rücktritt

Am Mittwochabend (12.12.2018) findet die Jahreshauptversammlung des Vereins statt. Mitarbeiter von ZOF haben gegenüber dem WDR gefordert, dass ein "Vorstandswechsel" stattfinden soll. Nur so sei der Verein weiter tragbar "und nur so können wir Auftraggebern signalisieren, dass wir weiter gemeinnützig tätig sein möchten", so eine Mitarbeiterin, die anonym bleiben will.

Die knapp 400 Mitarbeiter des Sozialdienstleisters ZOF hoffen, dass bald Ruhe einkehrt und sie sich um die wichtigen Dinge kümmern können: zum Beispiel die Betreuung von Flüchtlingen.

Stand: 12.12.2018, 17:33