Wattenscheider Keller überflutet - liegt es am Emscherumbau?

Wattenscheider Keller unter Wasser

Wattenscheider Keller überflutet - liegt es am Emscherumbau?

Von Jennifer Kerkhoff

Vier Mal standen ihre Keller unter Wasser. Das habe es seit 50 Jahren dort nicht gegeben, so die Anwohner. Hat die Emschergenossenschaft beim Umbau zu kleine Kanalrohre eingesetzt?

Emscherumbau in Wattenscheid. Eine ganze Straße schlägt Alarm. Viele der Keller im Watermannsweg müssen teuer saniert werden. Die Häuser haben teilweise daumendicke Risse. Die Anwohner geben dem Emscherumbau die Schuld.

Zu kleine Rohre eingesetzt?

Willi Litzbarskis Keller stand vier Mal unter Wasser, immer wenn es geregnet hat. Der Schaden geht in die Zehntausende, sagt er. Litzbarskis wohnt schon über 40 Jahre hier und hat so etwas noch nicht erlebt. Der Wattenscheider und seine Nachbarn leben direkt neben einer Köttelbecke. Die wird aktuell im Rahmen der Emscherrenaturierung umgebaut.

Die Anwohner glauben, dabei sei ein zu kleines Rohr eingesetzt worden. Bei Regen könne das nicht genug Wasser aufnehmen und verursache die Überschwemmungen. Die Wattenscheider haben sich hilfesuchend an den Emschergenossenschaft Lippeverband gewandt, doch fühlen sich im Stich gelassen.

Emschergenossenschaft widerspricht

Auf WDR-Anfrage heißt es vom Sprecher der Emschergenossenschaft Ilias Abawi: „Im Rahmen der Baumaßnahmen haben wir keine Verschlechterung des Abflusses vorgenommen.

Kanalrohre Watermannsweg in Wattenscheid

Kanalrohre am Watermannsweg in Wattenscheid

Es sei zwar ein großes Rohr durch zwei kleinere ersetzt worden, aber das mache keinen Unterschied. "Die hydraulische Leistung, wie viel abfließt, ist genauso wie vorher." Außerdem verweist der Verband auf die Pflicht der Anwohner, Rückstauklappen in ihre Häuser einzubauen. Dann könne nichts passieren.

Enttäuschung bei den Anwohnern

Emscherumbau Wattenscheid

Emscherumbau in direkter Nachbarschaft.

Tatsächlich haben die meisten Häuser im Watermannsweg diese Klappen nicht. Die 92-jährige Gerda Heuchel ist enttäuscht, sie brauchte so eine Rückstauklappe 60 Jahre lang nicht. Ihr Keller sei immer trocken gewesen, bis die Baustelle kam. Versichert ist sie gegen solche Schäden nicht.

Überflutung nicht das einzige Problem

Zu den Überflutungen kommen in einigen Häusern aber noch die daumendicken Risse. Die Anwohner vermuten auch hier einen Zusammenhang mit der Baustelle. Die Emschergenossenschaft habe für die Arbeiten Schichtenwasser abgepumpt. Jetzt sacken die Häuser ab, wodurch sich dicke Risse bilden, sind sie überzeugt.

Risse in Häusern seit Emscherumbau

An den Häusern sind teilweise daumendicke Risse entstanden.

Ein Hausbesitzer berichtet uns, er werde wohl von der Emschergenossenschaft entschädigt. Sein Haus steht direkt neben der Baustelle. Ralf Loset, ein paar Häuser weiter, bekommt dagegen kein Geld. Sein Wohnzimmer ist durchzogen von Rissen. Die Emschergenossenschaft habe ihm gegenüber mit Bergschäden argumentiert. Er sagt, die Risse seien erst mit der Baustelle gekommen.

Gerichte müssen wohl entscheiden

Bisher hat es keine Einigung zwischen den Anwohnern im Watermannsweg und dem Emschergenossenschaft Lippeverband gegeben. Willi Litzbarsky und einige andere wollen deswegen klagen.

Die Emscher: Das blaue Wunder Heimatflimmern 23.04.2021 43:56 Min. UT AD Verfügbar bis 23.04.2022 WDR Von Clemens Gersch, Michael Wieseler

Stand: 24.11.2021, 19:50