Extrem-Kampfsportlerin aus Gelsenkirchen will an die Weltspitze

Mandy Böhm in Boxerpose auf Schloss Berge

Extrem-Kampfsportlerin aus Gelsenkirchen will an die Weltspitze

Von Carmen Krafft

Mandy Böhm ist eine der wenigen weiblichen Voll-Profis in der härtesten Kampfsport-Art der Welt: Zurzeit bereitet sie sich auf ihr nächstes Duell in Mixed-Martial-Arts vor.

Das Wohnzimmer der kleinen Wohnung in Gelsenkirchen ist komplett zum Trainingszentrum umgebaut. Darin kommt die muskulöse 31-Jährige schwer ins Schwitzen. Im Leben von Mandy Böhm gibt es seit zwei Jahren nur eins: Mixed-Martial-Arts (MMA). In der für Außenstehende brutal wirkenden Kampfsportart will Mandy Worldchampion werden.

Im Kampf zählt Können

Mandy Böhm mit Gelsenkirchener Flagge beim Sieg in Kanada 2019

Mandy Böhm holt den Weltmeistertitel im Fliegengewicht in Kanada 2019

"Genial ist, wenn die Cagetür schließt, zählt nur: Wie hart hast du trainiert, wie fit bist du?", schwärmt die Profi-Sportlerin. Im Kampf komme alles zum Einsatz: Ringen, Bodenkämpfe, Kickboxen, Boxen, auch Schläge ins Gesicht. "Aber es ist immer fair: Du kannst jederzeit abklopfen und der Ringrichter kann dazwischen gehen." Doch eigentlich will sie nur siegen und tut alles dafür.

Kontrollierte Gewalt

Schläge erlaubt: MMA als Mix von Boxen, Wrestling, Ringen

Schläge erlaubt: MMA als Mix von Boxen, Wrestling, Ringen

Für Mandy muss es im Sport gleichberechtigt zugehen. Es ist okay für sie, verletzt zu werden oder zu verletzen. "Ich nehme auch für mich als Frau in Anspruch, Gewalt ausleben zu können", sagt sie. "Aggression steckt in uns allen. Und bei MMA werden die im Ring ausgelebt." Es ist ein harter Sport in einer Männerwelt.

Respekt für Athletinnen

Im MMA Profi-Sport sind weltweit bislang wenige, aber zunehmend starke Spitzensportlerinnen unterwegs. "Es gibt kaum noch Veranstaltungen ohne weibliche Duelle", so Mandy. Tatsächlich wird dennoch weiter mit frauenfeindlichen Slogans wie "heiße Kämpferinnen" geworben. Mandy hofft da auf ein Umdenken. "Ich kämpfe auch dafür, dass wir als Athletinnen für unsere Leistung respektiert werden."

Gleichberechtigung gefordert

Ihren Job als Industriemechnikerin hat sie an den Nagel gehängt, lebte länger vom schmalen Honorar als MMA-Trainerin in Gelsenkirchen. "Für mich heißt Gleichberechtigung auch: Ich kann als Athletin genauso viel verdienen wie ein Mann." Rund 50 000 Dollar Preisgeld würde sie bei ihrem nächsten Kampf verdienen. Der soll Ende Mai in Düsseldorf stattfinden.

Stand: 07.04.2021, 16:10