Gelsenkirchener Wunderorgel hat neues Zuhause

Das Foto zeigt die restaurierte Orgel bei der Einweihung in Papenburg

Gelsenkirchener Wunderorgel hat neues Zuhause

Von Jan Akkermann

20 Jahre lag die riesige Orgel aus dem alten Hans-Sachs-Haus in einem Depot. Jetzt spielt sie wieder, im 200 Kilometer entfernten Papenburg.

"Sie klingt tatsächlich noch besser", staunt der Gelsenkirchener Bürgermeister Werner Wöll. 73 Jahre lang stand die legendäre Wunder-Orgel im Veranstaltungssaal des Hans-Sachs-Hauses, wurde dort für Konzerte und einen renommierten Orgelwettbewerb genutzt.

Jetzt wird sie dort gespielt, wo man ein solches Instrument normalerweise eher vermutet: In einer Kirche. Die Papenburger St. Antonius-Gemeinde ist stolzer neuer Besitzer der 7245 Pfeifen in 98 Registern, samt mobilem Spieltisch, der auch mitten in der Kirche aufgebaut werden kann. 

Orgel kostet 1 Euro

"Wir brauchten dringend eine neue Orgel. Unsere alte aus den Siebzigern war zu klein, ein ewiges Provisorium. Und dann hörten wir von dieser einmaligen Gelegenheit", erklärt Pfarrer Franz Bernhard Lanvermeyer. 

Das Foto ist ein schwarz-weiss-Bild. Darauf ist ein großes Gebäude zu sehen, freistehend, mit einem Schriftzug, auf dem Hans-Sachs-Haus steht. Das Haus ist groß, mit sechs Etagen und vielen Fenstern.

Historisches Hans-Sachs-Haus in Gelsenkirchen

Zuvor war die Orgel fast zwei Jahrzehnte eingelagert, zerlegt in sämtliche Einzelteile. Nach dem Umbau des Hans-Sachs-Hauses zu einem modernen Zentrum für die Stadtverwaltung war dort einfach kein Platz mehr für das riesige Instrument. Verkauft wurde es schließlich für gerade einmal einen symbolischen Euro. Der Wiederaufbau kostete dann allerdings stolze eine Million Euro. Unterstützung kam von einem eigenen Orgelförderfond des Bundes. 

Denkmal der Weimarer Zeit 

Gebaut wurde das Klangwunder ursprünglich 1927.Heute ist die Orgel das einzige erhaltene Exemplar aus der Weimarer Zeit in dieser Größe. Das Instrument war danach mehr als einmal gefährdet. Die Bombenangriffe auf das Ruhrgebiet im Zweiten Weltkrieg überstand es nur, weil es gerade noch rechtzeitig, im März 1945, abgebaut und im westfälischen Büren in Sicherheit gebracht wurde.

Gelsenkirchener erhalten freien Eintritt

Ein Jahr lang musste im Emsland getüfelt werden, bis alle Pfeifen wieder am richtigen Platz standen. Die Verbindung zum Ruhrgebiet soll unbedingt erhalten bleiben. "Besucherinnen und Besucher aus Gelsenkirchen sind immer willkommen und haben bei unseren Konzerten freien Eintritt!", verspricht Pfarrer Lanvermeyer. Wenn die Corona-Pandemie es wieder zulässt, soll es sogar regelmäßig Bustouren geben, zur alten Walcker-Orgel in ihrer neuen Heimat im Emsland.

Stand: 10.09.2021, 14:59