Infektionstreiber Rock am Ring? Umgang mit Corona bei Festivals

Stand: 14.06.2022, 21:31 Uhr

90.000 Menschen sind zum Festival Rock am Ring gekommen. Offenbar haben Hunderte eine Coronainfektion mitgenommen. Grund zur Sorge? Nein, sagt ein Virologe.

Ausgelassen feiern, einfach wieder ausflippen: Darauf hatten Musik-Fans so lange gewartet. So kamen Anfang des Monats bei Rock am Ring auf dem Nürburgring in der Eifel 90.000 Feierwütige zusammen. Doch jetzt häufen sich die Meldungen von Corona-Infektionen im Zusammenhang mit dem Festival.

Bei einer nicht-repräsentativen Facebook-Umfrage unter 1.300 Personen gaben über 300 an, dass es sie erwischt hat. Überprüfen lässt sich das nicht. Doch auch Niklas Wilde kennt zwei Freunde, die im Anschluss positiv getestet wurden. "Ich bin negativ aus der Sache rausgekommen. Bei uns aus der Zeltgruppe haben sich aber zwei infiziert. Also zehn Prozent von den Leuten, die wir waren", sagt der Düsseldorfer.

Das Risiko sei es ihm aber "definitiv wert" gewesen: "Es war wieder schön, ein bisschen Freiheit zu erleben, mit seinen Freunden feiern zu können. Mal ein Bierchen in der Sonne trinken zu können und sich mal drei, vier Tage keine Gedanken darüber zu machen - auch wenn man es trotzdem immer im Hinterkopf hat."

Festivalbesucher aus Dortmund haben zum des Open-Air-Rockfestivals «Rock am Ring» eine Schneemaschine auf das Campinggelände gebracht.

Risiko eher in Zelten?

In über zwei Jahren der Pandemie haben wir viel gelernt - so auch, dass die Ansteckungsgefahr in Innenräumen viel höher ist, als draußen. Für Festivals könnte das bedeuten: Statt vor der Bühne steigt das Risiko eher in den Zelten. Also kein Grund, Freiluft-Großveranstaltungen abzusagen?

Virologe: Risiko im Freien gering

Das sieht Ulf Dittmer so. Er ist Virologe an der Uni-Klinik Essen und sagte: "Ich glaube jetzt nicht, dass solche Veranstaltungen mit einigen Infektionen zur Durchseuchung beitragen. Dazu ist das Risiko im Freien dann doch zu gering. Ich glaube, viel mehr Infektionen finden in geschlossenen Gebäuden statt."

Das NRW-Gesundheitsministerium rechnet in nächster Zeit zwar mit mehr Coronafällen. Aber welche Rolle Festivals dabei spielen, sei schwer einzuschätzen, heißt es auf WDR-Anfrage.

Vorbereitung für andere Festivals laufen

Also werden im Sommer noch zahlreiche Freiluftfestivals mit mehr als 10.000 Besuchern in NRW stattfinden. Im Sauerland laufen gerade die letzten Vorbereitungen für das Biggesee-Openair. Am Donnerstag geht es los. "Wir sind unglaublich glücklich, dass es jetzt endlich startet und es Formen annimmt. Ich bin richtig stolz, dass das jetzt Fahrt aufnimmt", sagt Veranstalter Gisbert Kemmerling.

Er erwartet 40.000 Menschen - zu Tageskonzerten. Das heißt ohne Übernachtung in Zelten. Somit überwiegt die Vorfreude und Corona rückt in den Hintergrund.

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