Eine Erfolgsbilanz: 20 Jahre "Sprechzeit" Lokalzeit aus Köln

20 Jahre Sprechzeit

Eine Erfolgsbilanz: 20 Jahre "Sprechzeit" Lokalzeit aus Köln

Von Anke Bruns

Ärger mit Behörden, Schimmel in der Wohnung, fehlende Spielplätze - wo Zuschauerinnen und Zuschauer der Lokalzeit aus Köln selbst nicht weiterkommen, ist Sprechzeit-Reporterin Anke Bruns für sie im Einsatz. Seit zwei Jahrzehnten. Eine persönliche Bilanz.

Vor einigen Jahren hat mal ein Kollege über mich geschrieben: „Anke löst im Kleinen, was im Großen schiefläuft“. Das stimmt. Genau das ist seit Beginn der Sprechzeit mein Anliegen. Aber wenn ich ehrlich bin, dann möchte ich auch das Große manchmal gerne etwas gerader rücken.

In den 20 Jahren waren es oft Senioren, die mir deutlich gemacht haben, wo was schief steht. Emma Weingarten aus Köln-Dellbrück zum Beispiel. Die 83-Jährige hatte sich noch nie mit jemandem angelegt. Aber 2008 ist ihr der Kragen geplatzt. Sie sollte 40 Euro Strafe zahlen, weil sie angeblich schwarzgefahren ist. Dabei hatte sie ein Ticket. Der Abstempel-Automat war kaputt. Deshalb hat sie mich angerufen.

Anke Bruns mit Emma Weingarten

Anke Bruns mit Emma Weingarten

Nach einigem Hin und Her verzichtete die Bahn auf das Geld „aus Gründen der Serviceorientierung“. Und Emma Weingarten? Sie war zum zweiten Mal empört: „Das ist eine Unverschämtheit“, meinte sie zu mir. „Die Bahn ist nicht anständig genug, um sich zu entschuldigen und mir zu sagen, Sie hatten Recht.“

Direkter Austausch

Etwa 800 Fälle habe ich in den 20 Jahren aufgegriffen. Und viele davon gelöst. Soweit ich das Feld überschaue, ist mein Format einzigartig in der deutschen Medienlandschaft. Denn ich bilde das Problem nicht nur ab. Ich kläre auch, wer wie dazu beitragen könnte, es zu lösen. Dann bringe ich die Beteiligten zusammen, sofern sie einverstanden sind. Mal in kleiner, mal in großer Runde.

Meine Erkenntnis: Wenn sich alle direkt austauschen, findet sich fast immer eine Lösung. Leider sind die Vertreter von Behörden oder öffentlichen Einrichtungen immer seltener bereit, an solchen Treffen teilzunehmen. „Sowas gehört nicht zu einer modernen Öffentlichkeitsarbeit“, erklärte mir kürzlich ein Kollege in einer Pressestelle. Stattdessen bekomme ich dann eine schriftliche Stellungnahme. Offen gesagt: Ich halte genau das für unmodern. So vieles haben wir bei den Ortsterminen schon miteinander erreicht.

Was will man mehr?

Ich erinnere mich gut daran, wie die Kölner Ratspolitiker 2011 durch die vier alten Villen an der Boltensternstraße in Köln-Riehl gelaufen sind und aus dem Staunen nicht mehr rauskamen. Die Abrissbirne wedelte quasi schon über den Dächern der 100 Jahre alten, städtischen Gebäude. Die Mieterinnen und Mieter wehrten sich aber vehement dagegen.

Bei meinem Sprechzeit-Ortstermin erkannten die Entscheidungsträger, dass hier keine heruntergekommenen Bruchbuden stehen, wie sie dachten, sondern ein erhaltenswertes Mehrgenerationenprojekt. Das Ergebnis: Die Häuser stehen immer noch. Günstiger Wohnraum wurde gerettet. Die Bewohner sind sehr zufrieden. Was will man mehr?

Biotop im Kölner Norden vs. LKW-Stellfläche Lokalzeit aus Köln 30.11.2021 04:38 Min. Verfügbar bis 30.11.2022 WDR

Stand: 03.01.2022, 12:34

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