Kinderklinik Sankt Augustin verklagt Land und Uniklinik Bonn

Kinderklinik Sankt Augustin verklagt Land und Uniklinik Bonn

Von Monika Steinhaus

  • Kinderklinik verklagt Land und Uniklinik Bonn auf Schadensersatz
  • Asklepios droht Klinik ohne finanziellen Zuschlag vom Land zu schließen
  • WDR 5 Stadtgespräch "Klinikschließungen" am Donnerstag (12.12.2019)

Seit Monaten ist die Zukunft der Kinderklinik Sankt Augustin ungewiss. Mit dem Wechsel des gesamten Herzchirurgen-Teams an die Uniklinik Bonn vor zwei Monaten fällt der finanziell wichtigste Teil der Kinderklinik weg. Jetzt verklagt der Asklepioskonzern nach eigenen Angaben das Land NRW und die Uniklinik Bonn auf Schadensersatz.

"Es ist ein Skandal, dass die Landesregierung ihre budgetäre Hoheit dazu missbraucht, eine weltweit anerkannte Klinik ökonomisch auszuhungern und zugleich einem Mitbewerber [Uniklinik Bonn, Anm. der Redaktion] unter die Arme greift, damit der im Wortsinne das Herzstück der Klinik abwerben kann, " sagt Kai Hankeln, CEO der Asklepioskliniken. Auf Anfrage des WDR will das NRW-Gesundheitsministerium noch keine Beurteilung der Situation abgeben. Dem Ministerium läge die Klage bisher noch nicht vor.

Der Asklepioskonzern betont immer wieder, dass er das Krankenhaus nur weiter betreiben wird, wenn er mehr finanzielle Unterstützung vom Land bekommt. Eine Entscheidung darüber kann aber noch lange dauern.

Das NRW-Gesundheitsministerium bearbeitet derzeit alle eingehenden Anträge von Kliniken aus ganz NRW, die Unterstützung brauchen. Danach erst wird entschieden, wer zusätzliche Gelder für sein Krankenhaus bekommt.

Die Verunsicherung bei den Patienten ist groß

Ein Arzt der Asklepios-Kinderklinik schüttelt der kleinen Patientin Aliyah die Hand.

Aliyah muss monatlich für Untersuchungen in die Klinik kommen.

Das verunsichert vorallem kleine Patienten wie Aliyah Fritzsch. Mit nur neun Jahren ist sie in der Kinderklinik Sankt Augustin schon 28 mal operiert worden. Von Geburt an leidet sie unter den Folgen eines offenen Rückens. Für ihre Mutter ist die Klinik wie ein zweites Zuhause: "Sie ist das absolute Nonplusultra. Wir haben ein sehr komplexes Krankheitsbild und hier ist einfach alles abgedeckt." Doch die Klinik schreibt rote Zahlen.

Grundsätzlich steht für NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann außer Frage, dass man auch auf dieser Rheinseite eine Kinderklinik braucht. Nur habe die Klinik bisher noch nicht alle Unterlagen eingereicht, die man für die Genehmigung des so genannten Sicherheitszuschlags braucht. Es bliebe erst einmal abzuwarten, wie das Verfahren ausgeht, denn "die Kriterien für einen solchen Sicherungszuschlag liegen ziemlich hoch," so Laumann.

Schwierigkeiten in der Kommunikation

Für den ärztlichen Leiter der Kinderklinik, Professor Gerd Horneff, liegen die Hauptprobleme in der Kommunikation zwischen seinem Träger und dem Land. "Es ist natürlich eine Enttäuschung, wenn es so lange dauert. Wenn man sich nicht zusammenfindet, sich nicht zusammensetzt. Von meiner Klinikleitung ist Gesprächsbereitschaft erklärt worden."

Langwierige Klinikplanung führt zu Insolvenzen

Das sind Probleme, die auch Ingo Morell als Geschäftsführer der GFO-Kliniken kennt. Für Morell liegt das Grundproblem in der Klinik-Planung: "Mich macht es ehrlich gesagt ein bisschen wütend, weil der Prozess unkoordiniert ist. Es muss aus meiner Sicht klar beantwortet werden, wo wir welche Krankenhausversorgung wollen." Das solle man nicht dem freien Markt überlassen, da sonst immer mehr Insolvenzen die Krankenhausplanung ersetzen würden, so Morell.

Genau in solchen Fällen ist die Krankenhausplanung ganz weit weg von den Patienten. Der Asklepioskonzern muss jetzt entscheiden, ob er die Kinderklinik ohne zusätzliche Gelder vom Land schließt. Das wäre ein harter Schlag für die Angestellten, Patienten und deren Angehörige.

Sankt Augustin: Krise in Herzzentrum Lokalzeit aus Bonn 02.05.2019 Verfügbar bis 04.06.2020 WDR

Stand: 11.12.2019, 16:36