Nachricht aus der Kaiserzeit - Zeitkapsel in Grafenwerth

Stand: 20.06.2022, 16:08 Uhr

Bei Sanierungsarbeiten der Grafenwerther Brücke in Bad Honnef wurde eine Zeitkapsel entdeckt. Jetzt wurde sie geöffnet. Dabei kamen Zeitungen, Münzen und eine Urkunde aus der Kaiserzeit zum Vorschein.

Von Jörg Sauerwein

„Das ist eine Nachricht aus der Vergangenheit und ein unglaublich spannendes Zeitdokument“, schwärmt der Restaurator Gereon Lindlar. Direkt unterhalb der Grafenwerther Brücke hat er das verschlossene Kupferrohr vor den Augen des Bad Honnefer Bürgermeisters Otto Neuhoff und zahlreicher Journalisten vorsichtig geöffnet und dann den Inhalt Stück für Stück herausgezogen.

So genannte Zeitkapseln mit zeittypischen Dingen wie Zeitungen oder Münzen im Inneren werden oft bei Grundsteinlegungen von neuen Gebäuden hinterlegt. In diesem Fall war es aber wohl der Schlussstein, bei dessen Legung die Zeitkapsel in die Brücke kam. So ist es auf der Urkunde zu lesen, die der Restaurator aus dem Kupferrohr ziehen konnte.

Niemand wusste von der Zeitkapsel

Nachdem vor einigen Jahren massive Mängel an der denkmalgeschützten Betonbrücke entdeckt worden waren, wird das Bauwerk inzwischen saniert. Deshalb wurde vor kurzem auch ein großes Metallschild an einem Brückenpfeiler entfernt, hinter dem die Arbeiter einige Mauersteine entdeckten. Dahinter kam anschließend das gut 50 Zentimeter lange verschlossene Kupferrohr ans Licht. Bis dahin hatte niemand eine Ahnung von der Zeitkapsel in der Brücke.

Die Urkunde darin wurde „im siebenundzwanzigsten Jahre segensreicher friedlicher Regierung S. M. des Kaisers u. Königs Wilhelms II.“, ausgestellt, wie es auf dem historischen Dokument heißt. Als die Zeitkapsel dann aber in die Brücke gelegt und eingemauert wurde, war von Frieden keine Rede mehr. Denn der Erste Weltkrieg war schon ausgebrochen.

Offene Zeitkapsel wird genauer untersucht von dem Bad Honnefer Bürgermeister Otto Neuhoff und Restaurator Gereon Lindlar.

Die Zeitkapsel wird genauer untersucht von dem Bad Honnefer Bürgermeister Otto Neuhoff (links) und Restaurator Gereon Lindlar.

Das belegen die Zeitungen, die aus jener Zeit ebenfalls in die Zeitkapsel kamen, unter anderem die Kölnische Zeitung vom 2. Oktober 1915. Die Schlagzeile an jenem Tag lautete „Große Verluste der feindlichen Angreifer“. Außerdem lagen auch einige Münzen in dem Gefäß, darunter zum Beispiel eine 3-Reichsmark-Münze. Warum die Zeitkapsel erst drei Jahre nach der Fertigstellung der Brücke im Jahr 1912 deponiert wurde, ist noch unklar.

Hochwasser hat der Brücke und auch der Zeitkapsel geschadet

Im Laufe der Jahrzehnte haben verschiedene Hochwasser die Brücke deutlich angegriffen. Deshalb blieb auch die Nachricht aus der Vergangenheit nicht vom Wasser verschont. Denn das Kupferrohr, das seinerzeit zugelötet wurde, war nicht mehr ganz dicht. Sowohl die Zeitungen als auch die Urkunde sind stark durchnässt worden.

Alte Münzen aus einer Zeitkapsel an der Grafenwerther Brücke.

Alte Münzen aus der Zeitkapsel an der Grafenwerther Brücke.

Restauratoren sollen Zeitungen und die Urkunde jetzt retten. Sie müssen zum Beispiel verhindern, dass sich Schimmel auf dem Papier ausbreitet. „Möglicherweise müssen wir das erst mal einfrieren“, erklärt Gereon Lindlar.

Bürgermeister Neuhoff zweifelt übrigens daran, dass der Original-Inhalt nach der Sanierung wieder in die Brücke kommt. Denn jetzt wisse jedermann von der Zeitkapsel, entsprechend groß wäre die Sorge, dass sie dann gestohlen werden könnte. Was also mit der Nachricht aus der Vergangenheit geschieht, ist erstmal noch unklar.

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