Bonn: Zehn Jahre WCCB-Skandal

WCCB - Millionengrab oder Erfolgsgeschichte? Lokalzeit aus Bonn 18.01.2018 02:42 Min. Verfügbar bis 18.01.2020 WDR

Bonn: Zehn Jahre WCCB-Skandal

Von Jochen Hilgers

  • Prestigeprojekt wird für Bonn zur Millionenfalle
  • Vier Jahre Baustopp
  • Kaum Konsequenzen für die damalige Stadtspitze

Kaum ein Bauskandal hat eine bundesdeutsche Stadt so erschüttert, wie die Vorgänge um den Bau des World Conference Center in Bonn. Eigentlich sollte das Kongresszentrum den Steuerzahler keinen Cent kosten, nach Expertenschätzung richtete eine beispiellose Betrugs- und Korruptionsserie für die Stadt einen Schaden zwischen 250 und 300 Millionen Euro an. Der Skandal begann genau vor zehn Jahren (22.08.2009) mit einer Enthüllungsgeschichte im Bonner General-Anzeiger.

Architektonisch gewöhnungsbedürftig

Oberstaatsanwalt a.D. Fred Apostel am WCCB

Oberstaatsanwalt a.D. Fred Apostel am WCCB

Oberstaatsanwalt a.D. Fred Apostel schaut ein wenig verschmitzt auf das mittlerweile fertige WCCB. Das World Conference Center Bonn. Das eigentlich begrünte Dach sieht in der Sommersonne wie die texanische Steppe aus. Das verwinkelte Glasdach ist architektonisch mindestens gewöhnungsbedürftig. Der Bau sei sicher Geschmackssache, grinst Apostel. Er mag ja funktionell sein, von außen erinnere ihn der Bau aber eher an ein Flugzeug.

General-Anzeiger brachte Stein ins Rollen

Apostel ist jetzt 70 Jahre alt. Die letzten fünf Jahre seiner Tätigkeit hat er mit den Ermittlungen im Komplex WCCB verbracht. Aufgeschreckt wird die Behörde durch einen Zeitungsartikel im Bonner General-Anzeiger. Den Journalisten war anonym ein Dossier zugespielt worden, das deutliche Hinweise zu einem Betrugs- und Bestechungsskandal gab. Drei Wochen später lässt Apostel dutzende Objekte durchsuchen. Unter anderem den ehemaligen Plenarsaal des Bundestages.

Millioneninvestor ohne Geld

Schnell fällt bei den Ermittlungen auf, dass der südkoreanische angebliche Investor die Stadt ordentlich betrogen hatte. Man Ki Kim, so der Name des Südkoreaners, hatte gar kein Geld für die notwendigen Millioneninvestitionen. Die Kosten und damit der Schaden bleiben bei der Stadt hängen. War es nur Betrug, oder wusste die damalige Stadtspitze nicht selbst schon frühzeitig über den Pleite-Investor Bescheid. Die damalige Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann blieb jedenfalls von Strafverfahren verschont. Die Stadt hat sie allerdings auf Schadenersatz verklagt. Man befindet sich derzeit im gerichtlich vorgeschlagenen Mediationsverfahren. 

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Auch Baustopp kostet Millionen

Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen führten 2009 dazu, dass es am WCCB zum Baustopp kam. Der dauerte vier Jahre und kostete den Bürger ebenfalls zweistellige Millionensummen. Geld, das heute in Bonn überall fehlt. Beim Betrieb der öffentlichen Bäder, bei Sanierung und Ausstattung von Schulen und Kindergärten. Die finanzielle Belastung durch das WCCB werden die Bonner noch in Generationen spüren.

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