Geheimnis um Xantener Viktorschrein gelüftet

Viktorschrein in Xanten

Geheimnis um Xantener Viktorschrein gelüftet

  • Archäologe entnimmt Proben
  • Skelettteile mehrerer Personen gefunden
  • Schweineknochen unter den Reliquien

Vor sechs Jahren entnahm der promovierte Archäologe Clive Bridger Proben aus dem Xantener Viktorschrein. Nun liegen die Ergebnisse seiner Untersuchung vor. In detektivischer Kleinarbeit konnten Bridger und sein Team den Inhalt der hölzernen Lade bestimmen.

Schweineknochen gefunden

Zwar liegen in dem Schrein die Knochen eines Mannes, der im dritten Jahrhundert nach Christus gelebt haben muss - das entspricht der Lebenszeit des heiligen Viktor. Aber auch Knochenfragmente eines anderen Mannes und ein weiblicher Hüftknochen konnte der Archäologe bestimmen. Die menschlichen Überreste der beiden Personen könnten zuvor in einem Doppelgrab in der Krypta des Doms gelegen haben.

Geheimnis um Xantener Viktorschrein gelüftet 04:09 Min. Verfügbar bis 24.01.2021

Viktorschrein wird restauriert

Viktorschrein wird restauriert

Fragen wirft auch der Fund aus einem zweiten, kleinen Viktorschrein auf. Hier wurde der rechte Oberarmknochen eines Schweins gefunden. Dieser ist deutlich jünger als der Schrein und wurde auf etwa 646 bis 766 nach Christus datiert. Andere Knochen aus dem kleinen Viktorschrein wurden nicht untersucht.

Kostbare Seide aus Usbekistan

Sensationell hingegen sind die Erkenntnisse zu den Textilien. Der extrem seltene Seidenstoff, mit dem der Schrein ausgekleidet wurde, stammt aus Sogdien, dem heutigen Usbekistan. Ähnlich kostbare Seide ist auch in der Laterankapelle Sancta Sanctorum in Rom zu finden. Die Verwendung von kostbarer Seide zeigt die religiöse Bedeutung der Reliquie und die Authentizität des Heiligtums, so die Wissenschaftler.

Schrein wird in 25 Jahren wieder geöffnet

Die von den Christen als Märtyrer verehrten Reliquien sind laut Untersuchungsbericht nicht mehr vollständig. Seit 1129 wurde der Schrein 27 Mal geöffnet. Insgesamt 18 Urkunden dokumentieren die Öffnungen über die Jahrhunderte. Dabei seien immer wieder Veränderungen am Inhalt des Schreins festgestellt worden.

Stand: 06.12.2019, 16:55