Wie Gehörlose mit der Maskenpflicht leben

Lippenlesen: Gehörlose und Maskenpflicht Lokalzeit Bergisches Land 11.05.2020 02:28 Min. Verfügbar bis 11.05.2021 WDR Von Annika Knebel

Wie Gehörlose mit der Maskenpflicht leben

Von Annika Knebel

  • Gehörlose lesen Lippen
  • Gebärdendolmetschen per Videochat
  • Spezielle Masken für Gehörlose

Alleine in Wuppertal gibt es um die 300 Menschen, die nicht oder nur sehr schlecht hören können. Normalerweise verständigen sie sich über die Gebärdensprache. Doch die besteht nicht nur aus Gestik, sondern auch der Gesichtsausdruck und die Mundbewegung gehören zur Sprache. Mit dem seit Ende April an vielen Orten vorgeschriebenen Mund-Nasen-Schutz werden weite Teile des Gesichts verdeckt. Ein großes Problem für die Kommunikation vom Gehörlosen. Auch im öffentlichen Raum, im Supermarkt, bei Behörden oder beim Arzt können sich Gehörlose jetzt kaum zurechtfinden, weil sie normalerweise anderen Menschen von den Lippen lesen. Das ist mit Gesichtsmaske nicht mehr möglich.

Arztbesuch mit digitaler Unterstützung

Videotelefonie auf einem Smartphone

Per Videotelefonie werden Gebärdendolmetscher zugeschaltet

Der Wuppertaler Verein zur Förderung von Gehörlosen betreut und begleitet viele Menschen ohne Gehör im alltäglichen Leben. Seit der Maskenpflicht kommuniziert Gebärdendolmetscher Klaus Altenfeld hauptsächlich über Videochats. Normalerweise würde er mit dem Patienten zum Arzt gehen, das hilft aber nicht, da alle eine Maske tragen müssen. Jetzt wird er vom Patienten per Videoanruf direkt ins Patientenzimmer zugeschaltet. So kann Klaus Altenfeld dolmetschen ohne einen Mundschutz zu tragen.

Masken mit Sichtfeld

Etwas Hoffnung hatten Gehörlose außerdem in Visiere und Masken mit Sichtfeld gesetzt. Aber in der Praxis beschlagen diese oder dünsten aus. So ist ein längeres Tragen nicht möglich. Außerdem sind die Gehörlosen skeptisch, ob sich solche Masken in der breiten Bevölkerung durchsetzen.

Stand: 11.05.2020, 07:19