Bergisches Land: Selbstmordrate seit Jahren hoch

Gedenkstein für Suizidopfer mit der Inschrift "Für unsere Verstorbenen - Hinterbliebene nach Suizid e.V."

Bergisches Land: Selbstmordrate seit Jahren hoch

Von René Rabenschlag

  • 60 bis 80 Suizide pro Jahr im Bergischen
  • Kostenlose Hilfsangebote zur Prävention
  • Hinterbliebene wollen kein Tabuthema

Jedes Jahr sterben in Wuppertal und Umgebung 60 bis 80 Menschen durch Selbstmord. Zum ‚Welttag der Suizidprävention‘ am Dienstag (10.10.2019) machen Hinterbliebene auf Hilfsangebote aufmerksam.

Anne Biermann steht auf einer Wiese und hält ein Fotoalbum

Anne Biermann

Anne Biermann aus Wuppertal erzählt von ihrer Schwester Birgit. Es ist jetzt ungefähr sechs Jahre her, dass sich die 30-Jährige das Leben nahm. Anne Biermann fragt sich bis heute, ob sie das hätte verhindern können: Am Abend davor habe sie ihre Schwester als sehr bedrückt wahrgenommen und irgendwie habe sie sich gefragt, ob sie sie nicht mit zu sich nehmen solle. Sie hat es nicht gemacht und hat sich lange schuldig gefühlt.

Im Nachhinein erkennen Angehörige die Zeichen

Paola Marten hat den Verein „Hinterbliebene nach Suizid e.V.“ vor etwas mehr als zehn Jahren gegründet. Die Selbsthilfegruppe beschäftigt sich vor allem mit der Trauerbewältigung von Eltern und Angehörigen.

Mitglieder der Selbsthilfegruppe sitzen an einem Tisch

Der Verein „Hinterbliebene nach Suizid“

Die Erfahrung zeige, sagt Marten, dass es für Außenstehende meist viele Anzeichen gebe, die auf einen bevorstehenden Suizid hindeuteten. Das Problem aber sei, dass man diese Signale erst in Nachhinein richtig deuten könne. In der Bevölkerung gebe es zu wenig Wissen dazu. Das liege daran, so die Leiterin der Selbsthilfegruppe, dass das Thema Suizid tabuisiert werde.

Kostenlose Hilfsangebote

In allen Großstädten im Bergischen Land gibt es kostenlose Beratungsstellen für Menschen in Krisensituationen. In Wuppertal ist das zum Beispiel der sogenannte ‚Wendepunkt‘. In Zusammenarbeit mit psychiatrischen Einrichtungen können sowohl Betroffene als auch Angehörige oder Freunde kostenlose und anonyme Beratung bekommen. Pro Jahr werden hier mehr als 2.700 Fälle bearbeitet.

Verein fordert mehr Therapieplätze

Der Verein „Hinterbliebene nach Suizid“ stellt für sich übrigens fest, dass Forschung und Medizin in der Suizidprävention seit Jahrzehnten nicht vorankämen. Außerdem müsse es viel mehr Therapieplätze in der Region geben. Insgesamt nehmen sich in Deutschland jährlich 10.000 Menschen das Leben. Damit ist die Zahl dreimal so hoch, wie die der Verkehrstoten.

Hilfsangebote im bergischen Städtedreieck:

  • Wendepunkt Wuppertal: Tel. 0202-2442838 (täglich 18-8 Uhr und an Wochenenden rund um die Uhr). Hier geht's zur Website.

Stand: 10.09.2019, 14:38

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