Streit um Kleinkläranlagen in Wuppertal

Streit um Kleinkläranlagen in Wuppertal

Von Corinna Schlechtriem

  • Anlagen sollen nach 20 Jahren stillgelegt werden
  • Bürger sollen Gruben bauen
  • Entsorgungs-Lkw soll Abwasser abholen

Im März 2020 müssen Anwohner des Wuppertaler Wohnquartiers Herbringhausen im Bezirk Langerfeld-Beyenburg ihre privaten Kleinkläranlagen abstellen (15.01.2020). 20 Jahre lang hatten sie die Erlaubnis, ihr Abwasser mit damals selbst finanzierten Anlagen zu klären.

Nun will die Stadt diese Ausnahmegenehmigung, die für Ortslagen gilt, die nicht ans Kanalnetz angeschlossen sind, nicht verlängern. Die Begründung der Stadt: Nach dem Landeswassergesetz seien Städte und Gemeinden verpflichtet, das Abwasser auf ihren Gebieten zu entsorgen.

Sammelgruben statt Kleinkläranlagen

Frank Rützenhoff ist einer der Anwohner in Herbringhausen. Er soll in seinem Vorgarten auf eigene Kosten eine abgedichtete Grube bauen, geschätzte Kosten: zwischen 10 bis 15.000 Euro.

Frank Rützenhoff zeigt seine Kleinkläranlage und die darin enthaltene Technik

Die Kleinkläranlage von Frank Rützenhoff funktioniert einwandfrei, sagt er

Mindestens einmal im Monat käme dann ein großer Lkw, durch enge Straßen hindurch, um das Abwasser quer durch die Stadt bis zur Kläranlage zu transportieren. In Zeiten des Klimawandels sei das, findet Rützenhoff, ökologisch doch sehr bedenklich. Ein von ihm gestellter Bürgerantrag wurde seitens der Stadt allerdings abgelehnt.

"Schutz sensibler Gewässer" hat für Stadt Vorrang

Frank Martin vom Umweltressort der Stadt Wuppertal sagte dem WDR, ökologisch sei der Schutz der sensiblen Gewässer in diesen Wohngegenden wichtiger als eine mögliche Belastung durch Lkw-Verkehr.

Denn private Kleinkläranlagen befänden sich überwiegend in Bereichen, in denen "besonders sensibles Grundwasser" auch zur Trinkwasserversorgung genutzt werde. Bei einer Havarie einer Kleinkläranlage komme es deshalb gleich zu erheblichen Gewässerverunreinigungen. Das sei in Einzelfällen auch schon geschehen.

Wuppertal: ein Sonderfall?

Wuppertal ist die einzige Stadt im Bergischen Städtedreieck, die 20 Jahre alte Kleinkläranlagen nicht mehr zulassen will. In den Nachbarstädten Remscheid oder Solingen gibt es kein Interesse, am Status Quo etwas zu ändern - so lange die Anlagen gut gewartet sind.

Frank Rützenhoff sagt, er habe auch in anderen Städten nachgefragt, wie beispielsweise Essen, Bochum oder auch im Märkischen Kreis. Auch dort seien die 20 Jahre alten Kleinkläranlagen weiter erlaubt.

Anwohner wollen nicht aufgeben

Die betroffenen Anwohner in Herbringhausen wollen mit Hilfe eines Anwalts und eventuell der Deutschen Umwelthilfe weiter um ihre Kleinkläranlagen kämpfen.

Stand: 15.01.2020, 19:54

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