Nach Missbrauch: Zugang zu Opfern schwierig

Ein Mann am PC

Nach Missbrauch: Zugang zu Opfern schwierig

  • 15-Jährige wurde wie Ware im Internet angeboten
  • Kinder stehen in solchen Fällen unter psychischem Druck
  • Strafkammer ist mit Missbrauchs-Fällen in Wuppertal überlastet

Ein Vater soll seine Tochter im Internet für Sex angeboten haben: Nur einer von vielen Missbrauchsfällen, die Stadt, Polizei und Gerichte in Wuppertal derzeit beschäftigen (15.01.2020). Den Opfern soll geholfen werden. Das ist aber nicht immer leicht.

Opfer verschließt sich gegenüber Ermittlern

Im aktuellen Fall verschließt sich die 15 Jahre alte Jugendliche gegenüber den Ermittlern komplett, sagt die Staatsanwaltschaft. Und die Vorwürfe gegen ihren Vater wiegen schwer: Über eine reguläre Handelsplattform soll er acht Männer "angeworben" haben, damit sie Sex mit seiner Tochter haben.

Dafür zahlen hätten sie nicht gemusst, denn zuzuschauen sei seine Befriedigung gewesen, so Oberstaatsanwalt Wolf Tilman Baumert: "Wir gehen davon aus, dass das Mädchen nur unter Druck, und zwar ausgeübt von ihm, dazu bereit und in der Lage war."

Kindern wird Verantwortung zugeschoben

Diese Art Druck kennt Birgit Köppe-Gaisendrees, Leiterin der Ärztlichen Kinderschutzambulanz in Remscheid, aus vielen Fällen genau. Vor allem, wenn es darum gehe, die Taten geheim zu halten: "Die Kinder kriegen dann zu hören: Möchtest du wirklich, dass ich ins Gefängnis komme? Oder: Wenn du was sagst, dann tu ich mir was an." Den Kindern werde so die volle Verantwortung zugeschoben.

Der tatverdächtige Vater im aktuellen Fall sei alleinerziehend, heißt es. Die Jugendliche soll auch noch Geschwister haben. "Die Kinder sind in einer Jugendwohngruppe untergebracht. (...) Sie werden auf jeden Fall geschützt, so lange es notwendig ist", sagt der Wuppertaler Sozial-Dezernent Stefan Kühn. Zum Fall selbst könne und wolle er sich nicht äußern.

Schwerer sexueller Missbrauch in Wuppertal 01:06 Min. Verfügbar bis 18.12.2020

Verarbeitungs-Prozess braucht viel Zeit

Für die Kinder, speziell die 15-Jährige, sei jetzt wichtig, sich sicher zu fühlen, betont Birgit Köppe-Gaisendrees. "Wir Therapeuten brauchen in solchen Fällen viel Geduld. Es ist extrem wichtig, eine professionelle Beziehung zum Kind aufzubauen." Dieser Prozess brauche viel Zeit. Manche Opfer könnten sich erst im Erwachsenen-Alter öffnen, manche nie.

Es klingt paradox, aber auch die Missbrauchs-Täter selbst haben die Chance, den Opfern zu helfen. "Aus unserer Sicht ist es ganz wichtig, dass sie zu ihrer Tat stehen", so Stefan Kühn, "dann besteht nicht nur die Chance, dass sich die Kinder doch öffnen, es ermöglicht ihnen auch, besser mit der Tat umgehen zu können."

Landgericht von Missbrauchsfällen überlastet

Das Thema Missbrauch hat auch am Wuppertaler Landgericht traurige "Konjunktur". Die zuständige Strafkammer kommt mit den anstehenden Prozessen nicht mehr hinterher, ist völlig überlastet. Seit Jahresbeginn kümmert sich deswegen noch eine zweite Kammer um anstehende Verfahren von Kinderpornographie oder Missbrauch.

Stand: 15.01.2020, 19:48

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