Selten, aber gefährlich: Rippenfellkrebs durch Asbest

Selten, aber gefährlich: Rippenfellkrebs durch Asbest

Von Michaela Bruch

  • Asbest verursacht agressiven Rippenfellkrebs
  • Tumor entsteht erst Jahrzehnte später
  • Ärzte rechnen mit steigenden Erkrankungszahlen

Helmut Schulz aus Sprockhövel hat Rippenfellkrebs - verursacht durch Asbest-Kontakt. Solche Tumore entstehen oft erst nach Jahrzehnten. Ärzte rechnen daher mit steigenden Zahlen.

Helmut Schulz und eine Frau laufen über eine Wiese

Helmut Schulz – Der Krebs bricht nach 55 Jahren aus

Helmut Schulz kann sich ein Leben ohne Sport nicht vorstellen. Der Sprockhöveler Rentner macht Kraftsport, ist viel auf dem Mountainbike und in den Bergen unterwegs. Plötzlich bekommt er Brust- und heftige Rückenschmerzen. Ein CT zeigt Wasser zwischen Lunge und Rippenfell. Der Arzt hat einen Verdacht: Rippenfellkrebs durch Asbest-Kontakt. Und dieser bestätigt sich.

Arbeit mit Asbest

Bei seiner Arbeit als Reparaturschlosser hat Helmut Schulz vor 55 Jahren für kurze Zeit eine Schutzweste aus Asbestfasern getragen – als Hitzeschutz. Asbest war lange als Wunderstoff in der Industrie gepriesen: – hitzebeständig, ein idealer Dämmstoff. Vor allem in der Baubranche, aber auch beim Schiffsbau und in der metallverarbeitenden Industrie arbeiteten hauptsächlich Männer damit.

Lange Latenzzeit

Professor Aigner sitzt in einem weißen Kittel im Büro vor einem Röntgenbild

Professor Aigner

Fachärzte wie Professor Clemens Aigner von der Lungenfachklinik, der Ruhrlandklinik in Essen, beobachten „wenn der Tumor ausbricht, ist er sehr aggressiv, oft tödlich, allerdings die Zeit bis zur Entstehung dauert durchschnittlich 30 Jahre, es werden aber auch Fälle bis zu 60 Jahren beschrieben.“

Mehr Männer als Frauen erkranken jährlich

„Insgesamt erkranken an Rippenfellkrebs nur etwa 20 von einer Millionen, das sind rund 1300 bis 1600 Personen jährlich in Deutschland, etwa 300 davon Frauen“, sagt Professor Clemens Aigner. „Frauen haben weniger mit Asbest gearbeitet“. Die Ärzte rechnen mit steigenden Zahlen bis 2030. Denn Asbest wurde in Deutschland erst 1996 verboten. Bis dahin waren also Arbeiter dem krebserregenden Stoff ausgesetzt.

Bereits 1976 wurde Rippenfellkrebs (Mesotheliom) als Berufskrankheit anerkannt. Er ist im Vergleich zu den anderen durch Asbest ausgelösten Krebsarten der Lunge und des Brustfells ein seltener Tumor.

Schwierige Therapie

Helmut Schulz auf einem Bett liegend bei der Chemo-Therapie

Helmut Schulz bei der Chemo-Therapie

Helmut Schulz bekommt vier Chemotherapien im drei-Wochentakt mit Erholungsphasen dazwischen. Im Idealfall verkleinert das den Tumor. Im Anschluss soll eine komplizierte, fast acht Stunden dauernde OP folgen, wenn seine Konstitution das zulässt und der Krebs nicht streut. Das befallene Rippenfell wird entfernt, und eine weitere Chemotherapie während der OP soll die restlichen Tumorzellen abtöten (intrakardiale Chemotherapie). Der sportliche Rentner will kämpfen, „das ist meine einzige Chance, um den Krebs zu besiegen.“

Stand: 12.09.2019, 11:46