Wuppertal: City-Bänke schrecken Obdachlose ab

Lokalzeit Bergisches Land 14.12.2021 09:42 Min. Verfügbar bis 14.12.2022 WDR Von Annette Hager

"Sleep Stops": Wuppertaler Bänke gegen Obdachlose

Stand: 15.12.2021, 11:57 Uhr

Bänke mit Metallnoppen, sogenannten "Sleep Stops" stehen überall in Wuppertals Innenstadt. Sie sollen verhindern, dass Obdachlose darauf schlafen. Vielen sind sie ein Dorn im Auge.

"Diskriminierungsfrei" wünscht sich Wuppertals Oberbürgermeister seine Innenstädte von Barmen und Elberfeld. Die öffentlichen Bänke, die hier stehen, sind es nicht. Passanten finden sie "gemein" und "asozial". Die Sitzbänke haben zwischen ihren Längsstreben kleine Metallplatten mit abgerundeten Spitzen, die an einigen Stellen über die Sitzfläche hinausragen. So kann man auf den Bänken zwar sitzen, aber sich nicht der Länge nach darauf legen.

Sitzbank mit Noppen

"Sleep Stops" werden die Metallecken genannt. Sie sollen Obdachlose daran hindern, ihr Nachtlager auf diesen Bänken aufzuschlagen - damit das Stadtbild nicht gestört wird. Ein Wuppertaler bringt es auf den Punkt: "Es würde mich nicht stören, wenn hier jemand liegt. Es würde mich stören, dass anscheinend jemand darauf angewiesen ist, dort zu liegen."

"Nicht gerne gesehen"

Das Wuppertaler "Cafe Cosa" kümmert sich um suchtkranke und obdachlose Menschen. Klaudia Herring-Prestin weiß, dass ihre Klienten "vertrieben werden, sanktioniert werden, beschimpft, bespuckt werden, angegriffen werden. Und da passt es natürlich genau ins Konzept, dass man dann auch noch Bänke aufstellt, die noch mal deutlich machen: 'Halte dich hier nicht auf, leg dich hier nicht hin!'".

Und der Obdachlose Jason ergänzt bitter: "Für mich ist das ein Zeichen, dass wir nicht akzeptiert werden und dass wir was Schlechteres sind als die anderen: Weil wir auf der Straße sind, weil wir betteln. Dass die Leute das so sehen: Wir sind was Höheres, und die, die nix haben, sind schlecht, sind drogenabhängig, die können nix, das ist einfach für mich abstoßend."

ISG verteidigt Bänke

Thomas Helbig von der Immobilien-Standort-Gemeinschaft (ISG) Barmen hat eine andere Meinung dazu. Die ISG Barmen hatte vor acht Jahren damit begonnen, diese Bänke aufzustellen. Im Gespräch mit dem WDR erklärt er, als das Projekt im Jahr 2013 startete, hätten die Sitzmöbel in der Barmer Innenstadt keine Gestaltungslinie gehabt. "Die Intention der ISG war es nie, etwas gegen, sondern immer etwas für zu machen."

Außerdem seien die Bänke recht groß, sodass die Noppen auch für eine Sitzeinteilung sorgen würden. Er weist zudem darauf hin, dass es in Barmen noch mehrere Sitzbänke gebe, die alle gerade und ohne die Noppen seien. "Nur in der Fußgängerzone, wo viel Betrieb ist, wo viele ältere Menschen und Familien unterwegs sind, die auch mal eine kurze Pause machen möchten, sind die Noppen auf den Sitzbänken."

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